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SV Blau-Weiß Bornreihe

20. Juli 2021
Autor: Thorin Mentrup, Foto: Wümme Zeitung

Fußball-Kultturnier des SV Bornreihe

24 Mal Bornreiher Fußballwoche. Das bedeutet seit 1996 Spektakel, viele Zuschauer und vor allem Tore, Tore, Tore: 1355 in 276 Spielen. Das sind fast fünf Treffer pro Spiel. Unterhaltung pur im Teufelsmoor.

Die ersten Auflagen finden noch in K.o.-Runden statt, mittlerweile hat sich das System mit acht Teams und zehn Spielen bewährt. Doch es gibt Ausnahmen: Im Jahr des 75. Vereinsgeburtstags 2007 sind gleich 16 Mannschaften am Start. Bis runter in die 2. Kreisklasse reicht das Teilnehmerfeld. 2013 spielen neun Teams um den Sieg, weil die Bornreiher unbedingt den FC Worpswede mit Ex-Coach Carsten Huning dabei haben wollen. Im Folgejahr sind es dann sogar zehn Mannschaften, ehe das Turnier wieder auf die normale Größe schrumpft.

Rekordsieger sind der FC Oberneuland – bei den ersten acht Auflagen immer im Finale – und der TSV Ottersberg mit vier Titeln. Es folgen der FC Bremerhaven, mittlerweile mit Sparta Bremerhaven fusioniert, die SG Aumund-Vegesack,  Gastgeber SV BW Bornreihe und der FC Hagen/Uthlede mit drei Siegen. Der VSK Osterholz-Scharmbeck triumphierte zweimal, Werder Bremens Amateure und der TuS Heeslingen, heute als Heeslinger SC bekannt, je einmal.

Der Gastgeber ist auch der Dauerbrenner des Turniers. Keine Bornreiher Sportwoche ohne die Blau-Weißen – das gilt seit 1996. Und auch der VSK Osterholz-Scharmbeck ist immer mit dabei. Insgesamt haben 35 Teams ihre Visitenkarte abgegeben: SV Blau-Weiß Bornreihe, VSK Osterholz-Scharmbeck (beide 24 Teilnahmen), TSV Ottersberg (18), TSV Wallhöfen, FC Worpswede (beide 15), FC Hambergen (13), SG Aumund-Vegesack (12), FC Oberneuland, FC Hagen/Uthlede (beide 10), MTV Bokel (9), FC Bremerhaven (8), Werder Bremen III (6), TuS Heeslingen (5), TuSG Ritterhude, TSV Gnarrenburg (beide 4), SV Komet Pennigbüttel (3), TSV Eiche Neu St. Jürgen, Blumenthaler SV, Delmenhorster SC, Werder Bremen Amateure (alle 2), TuS Tarmstedt, SV Hüttenbusch, SV BW Bornreihe II, SG Steden/Axstedt, SV Nordsode, SV Hepstedt-Breddorf, SV R-W Cuxhaven, TSV Bevern, SV RW Köhlen TSV Lesum, TSV Sievern, OSC Bremerhaven, FC Sparta Bremerhaven, TSV Fischerhude-Quelkhorn, SG Stinstedt (alle 1).

Bekannt ist das Turnier als Hans-„Hexe“-Wendelken-Cup. Diesen Namen, angelehnt an das 1998 verstorbene Klubidol Hans Wendelken, trägt es seit dem Jahr 2001. Zuvor firmierte die Veranstaltung unter verschiedenen Namen, etwa Moor- oder Nissan-Cup.

Die Geschichte des Turniers beginnt spektakulär: Bereits in der ersten Minute des Auftaktspiels fällt das erste Tor. Klaus Wintjen bringt Bornreihe nach einer Flanke von Marco Ehrich in Führung. Wintjen trifft beim 3:0-Sieg sogar doppelt. Für das dritte Tor zeichnet Gregor Schoepe verantwortlich. Er ist dem Turnier ganz besonders verbunden, ist als Spieler für Bornreihe, für Ottersberg und Oberneuland und als Trainer mit dem FC Worpswede und mit dem TSV Fischerhude-Quelkhorn dabei.

Promitreff: Das eine oder andere bekannte Gesicht des Fußballs hat sich über die Jahre in Bornreihe eingefunden. Ein paar Kostproben gefällig? Oberneuland reist zur Premiere 1996 mit Trainer Wolfgang Sidka an. Und wie es sich für Bremen und umzu gehört, folgen viele aktuelle oder ehemalige Werderaner: der Ritterhuder Karl-Heinz „Kalle“ Geils, Uli Borowka, Frank Neubarth, Christian Schulz, Björn Schierenbeck, Simon Rolfes, Sören Seidel und Dieter Eilts, der 2002 als Trainer der A-Jugend als Ersatz für die Verbandsliga-Truppe der Grün-Weißen den Gastgebern beim 5:3 die Grenzen aufzeigt zum Beispiel. Das Tor der Bremer Verbandsliga-Elf, die am Abschlusstag verhindert ist, hütet übrigens Florian Kohfeldt. Nicht zu vergessen in der Liste: Günter Hermann und Frank Ordenewitz vom VSK. Und auch ein heutiger Bundesliga-Kicker war bereits in Bornreihe: Rafael Czichos reiste am Ende der Nuller-Jahre als Jungspund mit dem TSV Ottersberg an, ehe es ihn über Wolfsburg II, Erfurt und Kiel zum 1. FC Köln zog.

Die SG Aumund-Vegesack ist ein gern gesehener Gast. Bei der Anreise zur Premiere im Jahr 2000 lernt der Klub allerdings die Tücken des Teufelsmoors kennen: Der Bus rutscht im Moor in einen Graben, erst per Trecker kann er wieder flott gemacht werden. Die SAV ist nicht der einzige Teilnehmer mit einer erschwerten Anfahrt: Ein Jahr später steht der Delmenhorster SC im Stau. Die Spielzeit gegen Osterholz-Scharmbeck wird deshalb auf 60 Minuten gekürzt.

Oft spielt das Wetter nicht mit: 1998 ist der Platz bei Postels nach Dauerregen so ramponiert, dass die Spiele kurzerhand auf der Anlage Im Fehr stattfinden. Vier Jahre später sperrt Bornreihes Manager Günter Müller den Platz nach dem Turnier und einer Woche Schietwetter bis zum ersten Heimspiel der Saison. Zuvor findet das Duell zwischen VSK und SAV gar nicht erst statt. Die Klubs teilen sich die 100-Euro-Prämie. 2005 hagelt es so stark, dass Helfer die Schneeschieber rausholen müssen, damit das Halbfinale zwischen Ottersberg und Bornreihe stattfinden kann. Das zeigt einmal mehr: Bornreiher können anpacken.

Der TSV Gnarrenburg kassiert 2009 die höchste Niederlage des Turniers: ein 0:12 gegen Werder III.  Der TSV Wallhöfen hält den unrühmlichen Titel nur drei Tage lang: Gegen den SV R-W Cuxhaven setzt es am Eröffnungstag ein 0:11. 2009 war ohnehin das Jahr der klaren Erfolge. Unvergessen auch das 9:1 des VSK über Bornreihe. Die Blau-Weißen testen die Viererkette – und das geht gründlich daneben. Manuel Weinrich trifft gleich vier Mal. Dieses Kunststück ist seit 1996 lediglich Fabian Burdenski (Werder III), Sohn des langjährigen Werder-Keepers Dieter, Gregor Schoepe und Torsten Welk (beide Bornreihe) sowie Sebastian Ferrulli (Werders A-Jugend) gelungen.

Der Mann ist doch Torwart! Stimmt, aber Osterholz-Scharmbecks Malte Vollstedt kann es auch auf dem Feld. Gegen Wallhöfen wird er in der 60. Minute eingewechselt, trifft dann zum Ausgleich und zeigt auch im Elfmeterschießen keine Schwäche. Der VSK gewinnt 6:4, und Vollstedt ist der Held des Tages.