Wenn schon, denn schon

SV Blau-Weiß Bornreihe

1. Oktober 2021
Autor: Tobias Dohr; Foto: Wümme Zeitung

Christian Holldorf will es noch einmal wissen – mit 37 Jahren hat er sich Landesligist Bornreihe angeschlossen

Als Christian Holldorf mit zarten 18 Jahren seine ersten Gehversuche im Herrenfußball unternahm, da lieferten sich der VSK Osterholz-Scharmbeck und der SV Blau-Weiß Bornreihe in der Landesliga Lüneburg gerade ein heftiges Kopf-an-Kopf-Duell um den Aufstieg in die Niedersachsenliga. 2003 war das, und die Kreisstädter unter ihrem damaligen Trainer Günter Hermann setzten sich am Ende durch – und so spielte Holldorf seine erste komplette Herrensaison in der höchsten niedersächsischen Spielklasse.

Es folgten viele Jahre auf allerhöchstem Amateurniveau, erst bei den Kreisstädtern, später auch beim SV Blau-Weiß Bornreihe. Kurzum: Holldorf hat viel erlebt in seiner Laufbahn – und die war eigentlich im Sommer 2018 zu Ende gegangen. Nach bewegten Jahren mit weiteren Stationen bei Frisia Loga, dem MTV Bokel und dem SV Lilienthal-Falkenberg. Doch vor einigen Wochen tauchte der Name Holldorf plötzlich wieder in der Osterholzer Fußballszene auf. Und zwar nicht irgendwo, sondern bei Fußball-Landesligist SV Blau-Weiß Bornreihe.

So ganz hatte er nicht aufgehört

“Christian hat uns kurz nach Start der Vorbereitungszeit angerufen und gefragt, ob er mal zum Training kommen kann”, berichtet Trainer Nils Gresens, der selbst noch mit Holldorf bei den “Moorteufeln” gekickt hat. So ganz hatte Holldorf ohnehin noch nicht mit dem Fußball aufgehört. Bei Victoria Bremen kickt er seit 2018 in der Ü32, gemeinsam mit vielen im Landkreis Osterholz noch bestens bekannten Namen. Julian Stroppel, Dennis Frey, Peer Jaekel, Sven Meinecke oder Rouven Brandt – mit allen verbindet Christian Holldorf die gemeinsamen Erfolgsjahre beim VSK.

Doch nach der Corona-Pause juckte es dem mittlerweile 37-Jährigen mehr und mehr in den Füßen. “Ich hatte das Gefühl, dass ich einfach noch einmal mehr machen, noch einmal Gas geben und mich in Form bringen wollte”, begründet Christian Holldorf seinen Entschluss. Auch die privaten Umstände hätten nun wieder besser gepasst, also stellte Holldorf den Kontakt ins Teufelsmoor her – und dort war man natürlich angetan von der Idee, einen solch routinierten Spieler mit ins Team aufnehmen zu können. “Er hat immer noch eine tolle Übersicht, kann den Ball festmachen und entsprechend sauber weiterspielen”, sagt Nils Gresens. Nur an einem hapert es derzeit noch gewaltig: “Der Körper macht die Belastung leider noch gar nicht mit”, sagt Holldorf schmunzelnd.

Zuletzt musste er eineinhalb Wochen komplett pausieren, am Donnerstag testete er erstmals wieder an. “Eigentlich war der Start im Sommer ganz verheißungsvoll”, erinnert sich Holldorf. In den ersten Einheiten sei er schon angespannt gewesen. “Kann ich das überhaupt noch durchhalten?”, habe er sich gefragt. Er konnte. Aber dann traute er seinem Körper offenbar zu viel zu. Beim Blitzturnier in Bremerhaven sowie bei den Testspielen gegen Verden und Hambergen bekam der Mittelfeldspieler viel Einsatzzeit – zu viel für den etwas außer Form geratenen Körper. “Das hängt mir noch ein bisschen nach”, sagt Holldorf, der dennoch hoch motiviert ist, sich ein letztes Mal auf diesem Niveau zu akklimatisieren.

Eine Win-win-Situation

“Es ist der Plan, dass ich die Saison voll durchziehe, und da habe ich auch wirklich Lust zu. Aber wenn ich merke, dass es nicht mehr funktioniert, dann ist es eben so. Ich muss niemandem mehr was beweisen, nur mir selbst.” Für Nils Gresens und dessen Trainerkollegen Frank Meyer ist es eine Win-win-Situation. “Christian kann das alles realistisch einschätzen und ist nicht sauer, wenn er nicht im Kader steht. Und er bringt viel Erfahrung in den Kader.”

Dass der in Ritterhude lebende Holldorf überhaupt wieder im Teufelsmoor landete, liegt daran, dass der in Bremen-Marßel unterrichtende Lehrer unbedingt per Zweitspielrecht auch bei der Ü32 von Victoria Bremen weiterspielen wollte. Deshalb musste er einen Verein finden, der keine Alten Herren hat. Das ist bei den Blau-Weißen in Bornreihe derzeit der Fall – das wäre tatsächlich aber auch bei der TuSG Ritterhude möglich gewesen, die seit kurzer Zeit ebenfalls keine Ü32 mehr gemeldet hat. “Das habe ich erst später realisiert. Ich wusste ja, dass Ritterhude eigentlich immer eine Ü32 hatte, deshalb habe ich mich damit auch gar nicht beschäftigt”, sagt Christian Holldorf. Bei der TuSG hätte er sein ehrgeiziges Projekt in der Bezirksliga in Angriff nehmen können – nun muss er sich auf seine alten Tage bei einem Landesligisten beweisen. Wenn schon, denn schon. Aber wer weiß, was noch kommt? In der Laufbahn des Christian Holldorf hat es schließlich schon so einige außergewöhnliche Verläufe gegeben. Da würde es nicht verwundern, wenn er bald mit 37 Jahren noch einmal in einer Landesliga-Startelf stehen würde.

Rückrundenstart bei Güldenstern Stade

Für Christian Holldorf kommt das Auswärtsspiel beim VfL Güldenstern Stade (Sonntag, 15 Uhr) nach seiner Verletzung noch zu früh – für Fußball-Landesligist SV Blau-Weiß Bornreihe steht das erste Rückrundenspiel der Saison aber genau zur richtigen Zeit auf dem Programm. Die “Moorteufel” befinden sich nach drei Siegen am Stück auf einem ziemlich guten Weg und sind hoch motiviert, die eher enttäuschende Leistung im ersten Saisonspiel vergessen zu machen.Mitte August retteten die Blau-Weißen im Heimspiel gegen Güldenstern Stade erst in den letzten Minuten der Auftaktpartie das 2:2-Remis. “Das wollen wir diesmal natürlich besser machen”, kündigt Bornreihes Coach Nils Gresens an. Nicht nur das Hinspiel sorgt dabei für Motivation, auch der Blick auf die Tabelle: “Sollten wir in Stade gewinnen, dürfte die Qualifikation für die Meisterrunde wohl endgültig sicher sein”, sagt Gresens, der allerdings mit Hendrik Lütjen und Bjarne Schnakenberg (beide Zerrung) sowie Simon Küstner (Schulterverletzung) einige Ausfälle zu beklagen hat.