Autor: Werner Maaß (Osterholzer Kreisblatt)

Was muss dieser Torben Poppe alles aushalten! Er stand dicht vor seinem Comeback, dann folgte die nächste Hiobsbotschafft: Poppe muss vermutlich unter das Messer, die Saison ist gelaufen.

Herr Poppe, es war Licht am Ende des Tunnels erkennbar. Sie waren schon wieder im Lauftraining, Ihr Comeback schien näher zu rücken. Dann folgte die nächste Hiobsbotschaft: Saison beendet wegen eines Ganglions. Wie haben Sie darauf reagiert?

Torben Poppe: Das war ganz bitter. Laufen geht auch weiterhin, ich gehe joggen, mehr geht aber leider nicht. Ich hatte zwei MRT, im September wurde in Lilienthal eine Schambeinentzündung festgestellt. Diese MRT war wohl nicht so gut. Ich hatte dann eine zweite MRT in Bremen-Nord, nur zur Kontrolle. Die Bilder waren wohl sehr gut. Es wurde eine Hüftschiefstellung festgestellt. Die Schambeinentzündung ist noch abgeschwächt da. Zusätzlich wurde ein fünf Zentimeter langes Ganglion am Knochen erkannt, über das die ganzen Muskelstränge laufen. Das schmerzt, wenn ich mehr Sport mache. Und das ist mein Hauptproblem.

Müssen Sie jetzt unters Messer?

Wahrscheinlich ja. Ich muss jetzt nach Berlin zu einem Spezialisten, das macht hier im Raum keiner. Das ist wohl ein komplizierter Eingriff. Das ist eine Art Gelschicht, die durch Überlastung entstanden ist. Und die muss weg, so hat man mir das erklärt.

Eine Hiobsbotschaft jagt die nächste. Haben Sie schon überlegt, die Brocken hinzuschmeißen?

Ja klar, natürlich. Vor allem, weil ich arbeiten muss. Und das geht nun einmal vor. Ich verdiene mein Geld mit der Arbeit und nicht mit dem Fußball. Deswegen spreche ich mit meinem Arbeitgeber ab, wann genau ich operiert werde.

Arbeiten geht problemlos?

Ja, Arbeiten geht. Es geht alles. Joggen auch, ich bin von der Luft her gut dabei. Aber Fußball geht nicht.

Wie gehen Sie vom Kopf her mit der Situation um, nicht voranzukommen?

Das ist natürlich eine große Belastung. Gerade im Januar gab es einen Knick. Da wusste ja keiner genau, was das ist. Ich war bei verschiedenen Ärzten, es ging hin und her. Das war schon ziemlich nervig.

Wie kann man dann die Motivation aufrecht erhalten, um dran zu bleiben und irgendwann wieder einzusteigen?

Das ist schwierig. Wenn man sieht, wie sich die Jungs da auf dem Platz reinhängen, dann würde man gerne dort mitmischen. Die Jungs gehen auf den Platz, für mich reicht es nur zum Laufen auf meiner Bornreiher Runde. Seit Januar, da sehe ich zumindest die Jungs wieder. Vorher hatte ich weniger Kontakt.

Okay, der Kontakt ist jetzt wieder da. Wie sind Sie denn vorher damit umgegangen?

Ich habe geheiratet, dadurch war ich schon abgelenkt. Dann bauen wir im Augenblick unser Haus, damit bin ich auch beschäftigt. Ansonsten haben sich unser Physiotherapeut Stefan Wanger und Dr. Michael Koop wirklich viel Mühe gegeben, mich zu unterstützen.

Hätten Sie sich einen Mentalcoach gewünscht?

Nein, das wäre übertrieben gewesen. Bei den Profis ist das sicherlich sinnvoll, die verdienen ja auch ihr Geld mit dem Fußball. Ich arbeite aber ganz normal. Und das geht ganz gut. Es ist natürlich traurig, dass ich nicht spielen kann, gerade weil wir ja so oft verloren haben und ich meinen beiden Schwagern natürlich liebend gerne geholfen hätte. Das waren nämlich die Ex-Trainer Andre Lütjen und Bernd Böschen.

Blicken wir zurück: Die ersten drei Spiele sind noch gut gelaufen. Zwei Siege und eine Niederlage, sechs Punkte mit zwei Toren von Torben Poppe. Dann waren Sie raus und die Talfahrt nahm rasant an Fahrt auf. Reiner Zufall?

Ich bin schon von vielen Leuten daraufhin angesprochen worden. Die Entwicklung aber nur an mir festzumachen, das wäre falsch. Wir haben auch noch einen Patrick Müller, der Tore schießen kann. Und einen Jascha Stern. Wir haben viele gute Leute im Kader. Ich weiß nicht, woran das wirklich lag. An den Trainern auf alle Fälle nicht, die haben sich voll reingehängt. Das lag an uns Spielern.

Im Winter folgte dann ein radikaler Schnitt in Bornreihe. War der so in dieser Form alternativlos?

Für mich war das besonders hart, weil die Trainer meine Schwager waren und ich einfach nicht helfen konnte. Dann haben uns einige junge Spieler verlassen. Die waren vom Kopf her noch nicht so weit, um zu begreifen, was es heißt, so hoch zu spielen. Und dass man dafür auch Opfer bringen muss. Der neue Trainer ist für den Verein ein Glücksfall. Und es ist Gold wert, dass er einige Leute mitgebracht hat, weil unser Kader zu dünn war. Jetzt ist wieder frischer Wind im Training, mit mehr Qualität.

Sie sprechen die jungen Leute an. Stellen Sie mit ihren 29 Jahren einen gravierenden Unterschied zwischen Ihrer Generation und den jungen Akteuren fest?

Oh ja, auf jeden Fall. Tino Brünjes ist der Älteste, und dann komme ich schon. Ich weiß noch, damals beim VSK, da hatte ich einen Peer Jaekel oder einen Julian Stroppel vor mir. Die hatten gesagt, trag das Tor oder hol die Bälle. Und das hatte ich zu machen. Ehrlich gesagt, ich fand das auch ganz gut so. Ich habe zu solchen Leuten aufgeguckt, die hatten schon etwas erreicht. Und die hatten gemerkt, dass ich einer war, der etwas wollte. Dann gab es aber auch einige Pflegefälle unter den Nachwuchsspielern, die haben dann mehr abgekriegt. Heutzutage ist das aber ganz anders, dann kriegt man nur einen blöden Spruch. Die denken auch einfach nicht mit. Sobald sie in die Kabine kommen, gleich das Handy raus. Früher gab es ein solches Verhalten nicht. Ich bin schockiert, dass so viele junge Leute im Winter abgehauen sind. Teilweise ohne triftigen Grund.

In welchem Zustand befindet sich das runderneuerte Team derzeit?

Die Mannschaft ist sehr gut drauf. Im Training und im Spiel ist Feuer drin, auch wenn die Resultate noch nicht optimal waren. Auch in der Kabine ist die Stimmung locker und entspannt. Das hat sich auf jeden Fall verändert. Wir sind jetzt in der Pflicht.

Abschließend ein ganz persönlicher Rückblick: Heirat, Hochzeitsreise nach New York und Miami mit anschließender Kreuzfahrt, demgegenüber stehen Schambeinentzündung und Ganglion. Was soll man von einem solchen Jahr halten?

Sportlich natürlich ein total verschenktes Jahr. Aber dafür kann ich mich privat nicht gerade beschweren, das läuft wunderbar.

Die Fragen stellte Werner Maaß.