Autor: Thomas Müller (Osterholzer Kreisblatt); Foto: Tobias Dohr (Osterholzer Kreisblatt)

Trainer Saša Pinter zieht kritisches Zwischenfazit für den nur auf Platz neun überwinternden SV BW Bornreihe.

Mehr als sechs Wochen liegt er zurück, der letzte Sieg des SV Blau-Weiß Bornreihe. Seit jenem 2:0 am 31. Oktober über Eintracht Lüneburg holte die Mannschaft von Trainer Saša Pinter lediglich ein mageres Unentschieden in der Fußball-Landesliga Lüneburg. Konsequenz: Absturz in der Tabelle auf Rang neun, lediglich zwei Zähler entfernt vom ersten Abstiegsplatz. Soweit die Bestandsaufnahme zu Beginn der Winterpause. Erinnert sei aber daran, dass es sich um genau die Mannschaft handelt, die als Saisonziel die Plätze eins bis drei ausgegeben hat und die im Sommer von den meisten Konkurrenten in der Liga als Top-Favorit auf die Meisterschaft eingestuft wurde.

„Natürlich hinken wir den eigenen Erwartungen hinterher, wir hatten uns alle mehr vorgestellt“, räumt Coach Pinter ein und relativiert sogleich: „Ich sehe uns im oberen Viertel.“ Das mit der Spitzenplatzierung passt also schon mal nicht mehr. Jedenfalls nicht in Pinters Fazit zum Jahresende. Zu Tabellenplatz drei mit Treubund Lüneburg sind es derzeit zwar nur sechs Punkte. Aber zum Zweiten TuS Harsefeld klafft dann schon eine deutlich größere Lücke mit 15 Zählern.

Genau 13 Punktspiele bleiben den „Moorteufeln“ in 2019 noch, um vielleicht in die Nähe des ursprünglichen Saisonziels zu kommen. Wie Pinter und sein Trainerstab das erreichen wollen? Gegenwärtig scheint das Prinzip Hoffnung zu gelten, wenn der Übungsleiter sagt: „Wir blicken nach vorn und werden die Spiele im neuen Jahr mit mehr geistiger Frische angehen.“ Personelle Veränderungen stehen offenbar nicht an, abgesehen davon, dass Adrian Chwiendacz um seine Freigabe gebeten hat, weil er sich bei einem anderen Klub mehr Spielzeit erhofft. „Wir selbst sind auf dem Spielermarkt nicht tätig“, versichert Saša Pinter.

Mit dem Kader an sich ist er also zufrieden, zumal mehrere Langzeitverletzte bis zum Punktspielstart am 3. März bei Eintracht Celle wohl wieder fit sein werden. Aber dazu später mehr. Rückblickend stellt Pinter fest, dass die Entwicklung in der Spielserie 2018/19 für ihn gar nicht mal so überraschend ist.

Es hat mit der Saison 2017/18 zu tun, als Bornreihe nach unterirdischem Start samt Abschied vom Trainergespann dann eine super Rückrunde unter Pinter spielte. Die beste aller Konkurrenten sogar. Bornreihe stand am Ende auf Platz drei. „Ich wusste vorher, dass uns diese Rückrunde schaden würde“, behauptet Saša Pinter. Die Mannschaft habe die Gier aus der Vorsaison nicht mehr gezeigt. Die Gegner hätten dagegen mit einer anderen Spannung gegen Bornreihe gespielt: „Viel biestiger.“

Genau diese Rückrunden-Stärke habe alle Konkurrenten sensibilisiert, so Pinter weiter, in der neuen Spielserie gegen Bornreihe mehr als 100 Prozent zu geben. „Und wenn dann die ersten Rückschläge kommen, kann das zuvor erworbene Selbstvertrauen auch ganz schnell wieder schwinden“, sagt Pinter. Und die Rückschläge kamen. Ihr erstes Saisonspiel gewannen die Bornreiher gegen Güldenstern Stade zwar mit 4:2. Aber es war zugleich der vorerst letzte Einsatz für Anil Morkan, der fortan mit einem Kreuzbandriss ausfiel. Auftakt einer Vielzahl personeller Probleme. Nicht nur wegen Verletzungspechs.

Nächstes Beispiel: Hendrik Lütjen. Nur zwei Einsätze wegen Rückenproblemen. „Er ist noch ein echter Straßenfußballer“, weiß sein Coach, „und macht immer mal wieder was ganz Überraschendes.“ Der kanadische Neuzugang Elliott Cuthbert kam wegen einer Schambeinentzündung auf ganze 26 Minuten Einsatzzeit. Zudem hatte er sich früh in der Saison eine fünfwöchige Rot-Sperre eingehandelt. Im gleichen Spiel sah übrigens auch der als Heißsporn bekannte Torjäger Patrick Müller den roten Karton. Zudem fehlte in einer wichtigen Phase Kapitän Nils Gresens für drei Spiele wegen Urlaubs. Unterm Strich waren das viele kleine Faktoren – ein paar zu viel für eine ambitionierte Spitzenmannschaft.

Immerhin: Morkan und Lütjen, der sogar schon einen Kurzzeiteinsatz nach seiner Rekonvaleszenz hatte, dürften zu den 2019er-Punktspielen wieder fit sein. Artur Degtjarenko, der zwischenzeitlich auch mal sechs Wochen zwangspausieren musste, sowieso. Und weil es sich bei der Rückkehr dieser Kreativ- auch um Unterschiedsspieler handelt, ist Pinter um die restlichen Saisonspiele nicht so bange. Auch nicht, wenn es gegen tief stehende Mannschaften geht, wenn von den Spielern Lösungen verlangt werden. Denn das war Pinter ebenfalls aufgefallen: „Unsere Gegner haben oft aus der allerersten Chance ihr Tor gemacht und sich dann eingeigelt.“ Bornreihe eben nicht.

Und dann kommt Pinter nicht umhin festzustellen: „Uns ist die Leichtigkeit verloren gegangen und der Teamspirit. Es gab nicht ein Spiel, das wir in letzter Minute noch gedreht haben.“ Da könne er, der mehr als 20 Jahre Trainererfahrung besitze, nicht viel machen: „Die Jungs müssen sich schon selbst finden, jeder muss von seinem eigenen Ego runterkommen. Es geht um Vertrauen und Verzeihen. Das haben wir nicht so gelebt wie nötig.“