Und dann beginnt das große Zittern

SV Blau-Weiß Bornreihe

30. August 2021
Autor: Thorin Mentrup, Foto: Wümme Zeitung

Der SV Bornreihe spielt zunächst stark, gibt dann aber einen 2:0-Vorsprung gegen Elstorf fast noch aus der Hand

Frank Meyer musste grinsen. “Die hart erarbeiteten Siege sind doch die schönsten Siege”, sagte der Trainer des SV Blau-Weiß Bornreihe und bemühte damit eine Fußballphrase. Hart erarbeitet, zum Schluss sogar regelrecht erzittert, war der erste Dreier im zweiten Saisonspiel der Fußball-Landesliga Lüneburg allemal. Doch beim 2:1 (2:0)-Erfolg über den TSV Elstorf ging aus Sicht der Blau-Weißen Ergebnis ganz klar über Erlebnis.

Wobei Meyer als auch Trainerpartner Nils Gresens nicht zu Unrecht darauf verwiesen, dass der letzte Eindruck ihrer Elf den der ersten Hälfte etwas verdrängte. Zwei grundverschiedene Halbzeiten hatten sie ausgemacht. Da war die über weite Strecken gute erste Hälfte, in der die Gastgeber, befeuert durch Daniel Griesbachs Elfmeterparade gegen Fynn Linzer (7.), sich durch die Treffer von Timo Kanigowski nach einer Ecke (22.) und Justin Dähnenkamp per Freistoß (29.) einen verdienten Zwei-Tore-Vorsprung erspielten. Und da war eben die zweite Hälfte, “in der wir unsere Linie verloren haben”, wie Gresens sagte. “Wir haben den Gegner stark gemacht, weil wir unsere Leistung nicht mehr gezeigt haben”, fand Meyer. Deshalb begann nach dem Anschlusstreffer des TSV durch Linzer das Zittern und Bangen. Doch der starke Keeper Daniel Griesbach hielt den Sieg fest, unter anderem mit einer weiteren Parade gegen den Gäste-Torschützen (77.).

“Ein 2:0 ist ein trügerisches Ergebnis”, sagte Gresens. Das wissen die Bornreiher nur zu gut, hatten sie im ersten Saisonspiel gegen Stade doch selbst ein 0:2 in wenigen Minuten aufgeholt. Dieses Mal drohten sie einen Zwei-Tore-Vorsprung noch zu verspielen. Doch sie bissen sich durch. Das werteten sowohl Gresens als auch Meyer als positives Zeichen. Es lief nicht mehr viel zusammen, doch ihr Team stemmte sich erfolgreich gegen die Vielzahl kleiner Unzulänglichkeiten, die ihr das Kombinationsspiel nahezu unmöglich machte. Nur durch Bjarne Schnakenberg hatten sie nach einem Konter noch eine echte Chance nach dem Seitenwechsel. Der eingewechselte Angreifer scheiterte in der letzten Aktion des Spiels aber an Timo Haepp (90.+5). Fußballerisch war der zweite Durchgang sehr dünn.

Ganz anders hatte das vor der Pause ausgesehen. “Der Elfmeter hat uns so richtig ins Spiel geholt”, hatte Gresens einen Aha-Moment ausgemacht. Danach drehten die Gastgeber auf und gewannen durch Kanigowskis Treffer immer mehr Sicherheit. Sie pressten erfolgreich, bauten mehr Druck auf und waren in den Zweikämpfen griffiger und wacher. Mit einem beherzten Nachsetzen holte Hendrik Lütjen den Freistoß zum 2:0 heraus. Hatte Dähnenkamp seinen ersten Versuch aus ähnlicher Position noch vergeben, war er beim zweiten Mal mit einem gefühlvollen Schuss aus halbrechter Position über die Mauer hinweg ins Eck erfolgreich (29.). Alles sah danach aus, als würde Bornreihe seinem Pflichtsieg entgegensteuern. Die Gastgeber hatten weitere Gelegenheiten, so verpasste etwa Dähnenkamp den dritten Treffer, nachdem er von Jeremy da Rocha Nunes freigespielt worden war (42.). “Wir haben es in der ersten Halbzeit gut gemacht, wir hätten aber ein drittes Tor nachlegen müssen”, wusste Gresens, dass die Moorteufel mit einer noch klareren Führung wesentlich mehr Ruhe gehabt hätten.

So aber war die komplette Sicherheit noch nicht da. “Das kann sie auch im zweiten Spiel noch nicht sein”, sagte Meyer. Den Vorwurf, den sich die Gastgeber aber gefallen lassen mussten, war, dass sie sich den Schneid abkaufen ließen anstatt ihrer Linie treu zu bleiben. “Das war ganz allein unser Ding”, sagte Meyer. Dennoch standen unter dem Strich die drei Punkte und damit vier Zähler aus zwei Begegnungen. “Ein normaler Start”, wie Gresens nüchtern einordnete. Wie wichtig auch die hart erarbeiteten Erfolge sind, machte Meyer noch einmal deutlich: “So ein Sieg tut gut und ist auch für den Kopf wertvoll.” Dass es noch einiges zu tun gibt, war ihm und Gresens aber nicht entgangen. Doch manchmal reichen eben auch die hart erarbeiteten Siege.