Sehr landesligatauglich

SV Blau-Weiß Bornreihe

15. Februar 2021
Autoren: Dennis Schott und Michael Rickers; Foto: Wümme Zeitung

Mein Traumteam: Warum die Elf von Michael Rickers heute noch eine gute Rolle spielen würde

Die Frage ist sehr theoretisch, aber Michael Rickers beantwortet sie mit einem guten Gefühl. In welcher Liga die Mannschaft, sein „Traumteam“, heute anzusiedeln wäre? „Ich denke, sie würde in der Landesliga eine sehr gute Rolle spielen“, sagt der 49-Jährige. Er muss es wissen. Rickers spielte als Aktiver selbst in der sechsthöchsten Spielklasse, war maßgeblich am Aufstieg des VSK Osterholz-Scharmbeck Anfang der 2000er Jahre beteiligt und führte den SV Blau-Weiß Bornreihe als Trainer von eben jener Landesliga in die Oberliga.

Weitaus schwieriger war da die Wahl der elf Spieler für sein Traumteam. Knapp 45 Jahren Fußball, ob als Aktiver oder Trainer, gerecht zu werden, fällt nicht leicht. „Letzten Endes musste ich abwägen. Mit wem habe ich am längsten zusammengespielt? Wer hat bleibenden Eindruck hinterlassen, mit wem hatte ich den größten Erfolg? Und dann musste ich auch ein Stück weit positionsbedingt aufstellen“, erklärt Rickers, um anzufügen: „War nicht ganz einfach.“ Aber hier ist es: das Traumteam von Michael Rickers.

Tor

Thomas Marks: Er kam zum FC Hambergen nach unserem Aufstieg in die Bezirksklasse. Er wirkte zu Beginn etwas unorthodox in seiner Spielweise, aber das stellte sich dann relativ schnell als eine Qualität heraus, die ich so noch nicht gesehen habe, insbesondere im Eins-gegen-eins-Duell. Er war von Anfang an ein Rückhalt für unser Team und hatte großen Anteil am Aufstieg in die Bezirksliga, unter anderem durch den Sieg im Aufstiegsspiel gegen einen eigentlich übermächtigen Gegner RW Cuxhaven. Auch menschlich ist Thomas ein positiv verrückter Typ.

Abwehr

Holger Lütjen: Als Spieler überzeugte er durch ein sehr gutes Stellungs- und ein sicheres Aufbauspiel, bestach durch eine cleverere Zweikampfführung und war ein richtig guter Organisator in der Abwehr. Er genoss im Team den größtmöglichen Respekt, da er immer als ruhender Pol und Ansprechpartner, besonders für uns junge Spieler, zur Verfügung stand. Eine absolut angenehme Persönlichkeit.

Christoph Müller: Christoph steht in meinem Traumteam stellvertretend für die überragende Bornreiher Meistermannschaft von 2016. Ein sehr guter Verteidiger mit einem sehr starken Kopfballspiel und einer super Spieleröffnung. Seine Diagonalbälle waren überragend, aber auch offensiv war er sehr torgefährlich. Außerdem brachte er eine klasse Einstellung und Siegermentalität mit. Auch gerade deshalb hat er eine tolle Entwicklung genommen.

Gerd Michaelis: Ein Vorbild an Einstellung und Willen. Seinen geschundenen Körper musste er vor jedem Training und Spiel immer komplett mit Trauma-Salbe einschmieren. Als direkter Gegenspieler hatte man keinen leichten Stand gegen ihn. Er schaltete, immer mit fairen Mitteln, die besten gegnerischen Stürmer aus. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der nach einem Tackling so schnell wieder auf den Beinen stand. Deshalb war ich auch sehr froh, dass er durch meinen Wechsel zum VSK mein Mitspieler wurde.

Gero Thiel: Ein Hamberger Urgestein. Mit ihm durfte ich bereits in der Jugend und dann in der ersten Herren zusammen spielen. Im Mittelfeld eine Konstante. Sehr gute Technik, starkes Kopfballspiel und eine Übersicht, mit der er in der Lage war, ein Spiel zu lenken. Ein Dauerläufer vor dem Herrn. Im Sprint war er allerdings nicht der schnellste, deshalb nannten wir ihn auch liebevoll Opa. Aber das machte er mit seinen anderen Qualitäten wieder wett.

Mittelfeld

Christian Holldorf: Einer von zwei Spielern, mit dem ich in einer Mannschaft spielte und später auch trainieren durfte. Er kam als A-Jugendspieler zum Kader der ersten Mannschaft vom VSK. Dort ist er durch seine Unbekümmertheit positiv aufgefallen. Er wirkte dabei etwas unscheinbar, brachte aber alles mit, um ein prägender Spieler zu werden, der schließlich auch Verantwortung übernahm. Besonders die Ballbehandlung, Geschmeidigkeit und ein sehr guter Torabschluss sind da hervorzuheben.

Jörn Heineke: Ein Wahnsinnstyp. Brachte alles mit, was man sich als Fußballer wünscht. Sehr athletisch, technisch stark mit einem starken Abschluss. Insgesamt spielten wir fünf Jahre zusammen beim VSK. Kurios dabei war, dass er aufgrund seines Studiums in Köln nur an den Wochenenden in Osterholz-Scharmbeck war. Aber das wurde von der Mannschaft akzeptiert, da er das durch Leistung zurückzahlte. Ein absoluter Spaßvogel, hatte immer einen lockeren Spruch auf Lager und auf Feiern war er immer vorne mit dabei. Und das, obwohl er keinen Alkohol trinkt. Mit Alkohol möchte ich mir das gar nicht vorstellen.

Marc Wellbrock: Fing mit mir zusammen in der ersten Herren vom FC Hambergen an. Er kam aus der A-Jugend. Da wir Nachbarn waren, fuhren wir immer zusammen zum Training und Spiel. Er entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem super Fußballer. Lernte die körperliche Robustheit und marschierte mit seinen langen Beinen die Linie auf und ab. Zusätzlich zu seinen technischen Fähigkeiten hatte er eine unheimliche linke Klebe. Als ich zum VSK wechselte, ging er nach Bornreihe und hinterließ dort seine Spuren. Allerdings musste er nach einem Kreuzbandriss seine Laufbahn zu früh beenden.

Uwe Wegener (früher Monsees): Mit Uwe habe ich am längsten in einer Mannschaft gespielt. Ein Jahr in Hambergen, sechs Jahre beim VSK und dann tat er mir den Gefallen und unterstützte mich als Spieler bei meiner Trainerstation in Pennigbüttel. Ein Edeltechniker, der in der Lage war, einen Gegenspieler in der oft zitierten Telefonzelle schwindelig zu spielen. Tolle Dribblings, aber auch Torvorbereitungen und Tore, zeichneten ihn aus. Ein absoluter Teamplayer. Wir haben einige dritte Halbzeiten absolviert. Im Bus saßen wir immer in der letzten Reihe. Er war der einzige zu der Zeit, der seinen Bacardi mit Fanta getrunken hat.

Sturm

Manuel Weinrich: Er kam als junger Spieler zum VSK. Man merkte gleich seine Dynamik, er brachte auch fußballerisch eine Menge mit. Ein kompletter Stürmer. Wie er sich im Laufe der Jahre entwickelte, war sensationell. Wir spielten einige Jahre im Sturm recht erfolgreich zusammen. Eigentlich kann man sagen, dass wir uns auf dem Platz blind verstanden haben. Wir haben zu der Zeit viel voneinander profitiert.

Daniel Grimm: Mir fiel er bereits positiv bei Testspielen und Hallenturnieren auf. Was er machte, hatte Hand und Fuß. Besonders sein Torabschluss war überragend. Daher war klar, dass ich ihn unbedingt von der Jugend des  TSV Neu-St. Jürgen zur A-Jugend vom VSK holen wollte. Als Spieler des jüngeren Jahrgangs erzielte er im ersten Jahr der A-Jugend-Niedersachsenliga auf Anhieb 30 Tore. Im Jahr darauf schaffte er sogar den Sprung zur U19-Nationalmannschaft. Als ich ihn da im Fernsehen hab spielen sehen, war das schon ein tolles Gefühl.