Schlitzohren und Knipser

SV Blau-Weiß Bornreihe

11. Januar 2021
Autoren: Tobias Dohr und Jens Sander; Foto: Wümme Zeitung

Mein Traumteam: Heute mit Jens Sander, langjähriger Trainer in Pennigbüttel und Worphausen

Es hat ein paar Tage gedauert und einige Blätter verschlissen – ehe sich Jens Sander wirklich festlegen konnte auf sein ganz persönliches Traumteam. „Ich hätte problemlos drei Teams mit tollen und besonderen Spielern zusammenbekommen“, berichtet Jens Sander. Kein Wunder – der mittlerweile 59-Jährige ist seit vier Jahrzehnten im Osterholzer Fußball zuhause, hat selbst viele Jahre beim VSK Osterholz-Scharmbeck und dem SV Blau-Weiß Bornreihe gespielt. Sander hat aber auch bei seinen Trainerstationen in Pennigbüttel und Worphausen viele Spieler kennengelernt, die nachhaltig Eindruck hinterlassen haben. „Es wäre deutlich einfacher gewesen, die elf schlechtesten Spieler zusammenzustellen“, sagt er, der auch für seine lockere Art auf und neben dem Fußballplatz bekannt und geschätzt war, lachend. Am Ende hat sich Sander dann aber doch auf elf Namen festgelegt. Dies sind sie:

TOR

Philip Böttjer: Schon auf der Torhüterposition fangen die „Probleme“ an. Da fällt mir nämlich spontan auch Gerd Stelljes ein, mit dem ich in Bornreihe gespielt habe und der ebenfalls ein richtig starker Torwart war. Ich habe mich dann aber doch für Philip Böttjer entschieden, der in Pennigbüttel mein Keeper war. Philip hat unglaubliche Reflexe auf der Linie, eine fantastische Sprungkraft und war eigentlich immer beim Training. Seit 2012 gehört Philip mittlerweile zum Inventar in der ersten Mannschaft der Lila-Weißen.

ABWEHR

Rafael Monsees: „Raffi“, wie er in Pennigbüttel nur gerufen wird, habe ich bei den Lila-Weißen als A-Junior übernommen, mittlerweile ist er auch schon über 30 Jahre alt und lange Jahre Kapitän bei den „Kometen“. Auch diese Vereinstreue ist es, wegen der ich meinen früheren Linksverteidiger in mein „Dreamteam“ berufen habe. Die Torgefahr war zwar nicht gerade Raffis Stärke, aber dafür hatte er eine unheimliche Schnelligkeit und Dynamik. Ein wahrer Mr. Zuverlässig.

Stefan Hobbie: Der Innenverteidiger komplettiert den Abwehrblock der Lila-Weißen. Mit seiner außergewöhnlichen Kompromisslosigkeit und Zweikampfhärte ist Stefan bis heute ein gefürchteter Gegenspieler. Einer, der nach meiner Überzeugung auch problemlos höher hätte spielen können – und das um ein Haar auch getan hätte. Denn als wir mit Pennigbüttel im Sommer 2010 in der Bezirksliga-Relegation gegen den ASV Ihlpohl spielten, da hatte Bornreihes damaliger Vereinspräsident Jan Flathmann zugeschaut und direkt nach dem Spiel Kontakt zu mir aufgenommen. Er fragte, wer dieser junge, kompromisslose Verteidiger wäre. Er hätte Stefan am liebsten direkt mit nach Bornreihe genommen, aber der hatte da zum Glück schon bei uns zugesagt für die kommende Saison. Und auch danach wollte Stefan nie weg aus Pennigbüttel.

Lothar Lentz: Einen Spieler wie Lothar, mit dem ich in Bornreihe zusammengespielt habe, wünscht sich wohl jede Fußballmannschaft. Kompromisslos und absolut mannschaftsdienlich. Er war einer, der auch mal auf den Tisch gehauen hat, wenn es nicht lief. Und er war sich für kein Scharmützel zu schade. Wenn irgendwo dicke Luft auf dem Platz war, dann war Lothar mittendrin. Die Gelben Karten holte sich Lothar, dessen Sohn Luis Lentz übrigens ein erstklassiger Tennisspieler ist, in schöner Regelmäßigkeit ab. Heute würde er für diese Spielweise regelmäßig Rot sehen. Früher war das aber noch geduldet und gehörte fast dazu. Knallhart, aber nie unfair – so war Lothar.

Carsten Ehrichs: Ein Außenverteidiger, wie man ihn sich nur wünschen kann. Mit viel Offensivdrang ausgestattet, schnell, kopfball- und zweikampfstark. Er wurde bei unser immer nur Carsten E. genannt, weil wir mit Karsten Okraffka ja noch einen weiteren Karsten im Team hatten. Leider hatte er viel zu früh Probleme mit dem Knie und musste deshalb irgendwann kürzertreten.

MITTELFELD

Karsten Okraffka: Vor allem die Flanken von unserem anderen Karsten haben mich nachhaltig beeindruckt – und ich selbst habe davon auch das ein oder andere Mal profitiert. Die sind wirklich immer nahezu perfekt gekommen, punktgenau, das war schon sein Markenzeichen. Aber auch sonst hat Karsten immer mächtig Alarm auf dem Platz gemacht und auch nach hinten viel gearbeitet.

Ralf Matzke: Dass Ralf in Worphausen mein Spieler wurde, war eigentlich Zufall und kam über Marco Miesner zustande. Der kannte Ralf von der Arbeit bei Mercedes und hat ihn irgendwann mal mitgenommen zum TSV. Man hat sofort gemerkt, dass Ralf in seiner Heimat im Osten höherklassig gespielt hat. Er war top ausgebildet und hat uns natürlich sofort geholfen. Und er ist dem TSV Worphausen dann auch treu geblieben und hat nicht mehr den Verein gewechselt, nur um hier noch einmal höherklassig zu spielen.

Jan Kleen: Meiner Meinung nach hätte Jan einer der fußballerischen Shootingstars des Landkreises Osterholz werden können. Doch er wollte nie weg aus Pennigbüttel, obwohl er mehrfach Angebote aus Bornreihe und auch von anderen Vereinen hatte. Und später hatte er dann ziemliches Verletzungspech. Aber er hatte definitiv das Zeug für die Oberliga, mindestens. Für einen zentralen Spielgestalter war er ungewöhnlich lauf- und kopfballstark. Seine Übersicht und sein Spielverständnis waren überragend. Zudem war er enorm trainingsfleißig, was bei Spielern auf dieser Position ja längst nicht immer der Fall ist.

Uwe Böttjer: Mit Uwe habe ich zusammen auf der linken Seite in Bornreihe gespielt. Das war immer eine große Freude. Mit seiner Dynamik und Schnelligkeit hat Uwe zahlreiche Freistöße und auch Strafstöße für uns rausgeholt, er war quasi nicht zu stoppen, wenn er erst einmal in Fahrt war. Leider hat auch er nach einer schweren Knieverletzung nie mehr so richtig den Anschluss geschafft. Aber während seiner fitten Zeit war es unglaublich, was Uwe für einen Alarm auf seiner Seite gemacht hat.

ANGRIFF

Frank Eggert: Mittlerweile ist Frank ja „nur“ noch als Tennisspieler aktiv, wo er übrigens ebenfalls einschlägigen Erfolg hatte und hat. Als Mitspieler habe ich ihn beim VSK Osterholz-Scharmbeck kennengelernt. Er war ein unglaubliches Schlitzohr, ein Stürmer, wie man ihn sich in der eigenen Mannschaft nur wünschen kann. Sehr wendig und agil, zudem ein Linksfuß.

Andreas Krohn: Zu Beginn seiner Zeit beim VSK Osterholz-Scharmbeck lebte Andreas ja von seiner Kraft und Power. Als er dann später von Bornreihe nach Pennigbüttel wechselte, hatte sich seine Spielweise schon etwas geändert – aber für mich als Trainer und uns als Mannschaft war er trotzdem ein absoluter Glücksfall. Er ist einer dieser Stürmer gewesen, die aus keiner Chance ein Tor gemacht haben. Er stand immer richtig und hatte irgendwie dieses Näschen, was andere Spieler nie hätten lernen können. Für Stürmer wie Andreas hat man wohl das Wort „Knipser“ erfunden.