Rickers zieht die Reißleine

SV Blau-Weiß Bornreihe

17. Oktober 2019

Autor: Dennis Schott (Osterholzer Kreisblatt); Foto: Guido Specht

Der Trainer des Fußball-Landesligisten SV Blau-Weiß Bornreihe tritt von seinem Amt zurück

Michael Rickers ist nicht mehr Trainer des Fußball-Landesligisten SV Blau-Weiß Bornreihe. Das ist das Ergebnis eines Treffens mit den Vorstandsmitgliedern Michael Rehberg und Nils Meyerdierks sowie Teammanager Alexander Küstner, um das der 48-Jährige gebeten hatte. Nach knapp zweieinhalb Stunden stand am Montagabend fest: Michael Rickers tritt von seinem Amt zurück.

Ihm sei die Entscheidung wahrlich nicht leicht gefallen, wie Michael Rickers auf Nachfrage versichert. „Für mich ist es ein Traumjob, Bornreihe zu trainieren. Es ist der beste Verein im Kreis Osterholz. Deswegen bin ich im Moment einfach nur tieftraurig“, sagt er. Aber der Trainer konnte (und wollte) seine Augen nicht vor der Realität verschließen. Ein Drittel der Saison ist nun absolviert und die „Moorteufel“ kommen nach zehn Spielen gerade einmal auf drei Punkte. Das ist nicht nur für die Ansprüche des Vereins eine viel zu geringe Ausbeute, sondern inzwischen auch extrem gefährlich. Die Blau-Weißen, die sich vor der Saison einen gesicherten Mittelfeldplatz zum Ziel gesetzt hatten, sind als Tabellenletzter akut abstiegsgefährdet. Schon jetzt steht fest: Für den Rest der Spielzeit wird es einzig und allein darum gehen, den Klassenerhalt zu sichern.

„Letzten Endes ist Fußball ein Ergebnissport“, meint Michael Rickers. Nach der jüngsten Niederlage beim SV Eintracht Lüneburg reifte in ihm schließlich die Entscheidung, von seinem Amt zurückzutreten. Er hatte bis zum Spiel am vergangenen Sonntag die Hoffnung, die Trendwende einzuläuten, nicht aufgegeben. Aber nach dem 2:3 sah er keinen anderen Ausweg, als zu gehen. „Im Sinne des Vereins und um der Mannschaft einen neuen Impuls zu geben. Ich will mir auch nicht vorwerfen lassen, nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft zu haben. Da muss ich mich mit einschließen“, wie Michael Rickers erklärt. Gleichwohl hatte er noch die Rückendeckung des Vereins. „Ich hätte gerne mit ihm weitergemacht“, so Teammanager Alexander Küstner. Er hätte Michael Rickers zugetraut, das Ruder noch einmal rumreißen zu können. Allerdings schränkt er ein, dass bei weiterhin ausbleibenden Punkten „wir irgendwann etwas hätten machen müssen“. Von dieser Warte aus ist Michael Rickers seinem Rauswurf zuvorgekommen. „Aber das ist Spekulation“, merkt Alexander Küstner an.

Bornreihes Teammanager hält nun Ausschau nach potenziellen Nachfolgern. Vorübergehend werden Co-Trainer Frank Meyer und Nils Gresens als Spielertrainer die Mannschaft verantwortlich betreuen. „Ich mache das zum Wohle des Vereins“, erzählt Nils Gresens, der aber gleichermaßen betont, dass dieser Zustand für ihn keine Dauerlösung darstellt, während sich Teammanager Küstner eine längere Verweildauer des Duos durchaus vorstellen könnte – wenn die Ergebnisse stimmen.

Wo der Hebel nun anzusetzen sei? „Da muss ich auch erst mal mit Frank Meyer drüber sprechen, es kam ja alles ziemlich schnell. Aber ich habe da schon die eine oder andere Idee, über die ich in der Öffentlichkeit aber nicht sprechen möchte“, erklärt Nils Gresens. Entscheidend sei aber vielmehr, mit welcher Einstellung sich die Mannschaft präsentiere. „Es gibt keine Alibis mehr, jetzt ist die Mannschaft am Zug“, sagt Alexander Küstner. Eine Mannschaft, die viel zu gut sei, um am Tabellenende zu stehen und dies nun auch zeigen soll, so der Teammanager weiter. „Jetzt müssen Punkte kommen, und ich bin mir auch sicher, dass wir das schaffen werden“, schließt Küstner nicht aus, in der Winterpause den eigentlich gut besetzten Kader noch einmal weiter aufzurüsten.

Die miserable Bilanz von drei Punkten taugt weder für Spieler noch für Trainer als gutes Bewerbungsschreiben, allerdings ist sie auch differenziert zu betrachten. Den Platz als klarer Verlierer verließen die Bornreiher nämlich selten, vielmehr war es so, dass sie in sechs Partien in Führung gingen, diese aber nicht behaupten konnten. Meist zeigten sich die Blau-Weißen bereits nach dem ersten Gegentor so stark unversichert, dass sie an ihr zuvor gutes Spiel nicht anknüpfen konnten. „Wenn die Ergebnisse klarer ausgefallen wären, hätte ich mir mehr vorwerfen lassen müssen“, erklärt Michael Rickers, der keineswegs den Eindruck hatte, die Mannschaft spiele gegen ihren Trainer. Für den 48-Jährigen spielen eher Verletzungen, Sperren und zum Teil unglückliche Schiedsrichter-Entscheidungen die entscheidende Rolle für den vermaledeiten Saisonverlauf.