Nachgefragt bei Steffen Dietrich

SV Blau-Weiß Bornreihe

2. November 2020

Herr Dietrich, als einzige Osterholzer Mannschaft sind Sie mit dem SV Bornreihe an diesem Wochenende noch angetreten. Hat das Spiel vor dem Hintergrund steigender Infektionszahlen eigentlich noch Spaß gemacht?

Fußball macht immer Spaß, das auf jeden Fall. Aber die Situation war schon so, dass man das Spiel definitiv nicht hätte anpfeifen müssen, beziehungsweise gar nicht anpfeifen dürfen. Da hätte ich mir vom Verband und von allen Entscheidungsträgern außerhalb des Vereins ein deutliches Statement gewünscht. Es geht für uns alle um ein sehr bedeutendes Hobby, aber nicht um unsere Existenz. Da geht Gesundheit einfach vor, und wir müssen als einzige Mannschaft noch mal ran. Finde ich nicht angemessen in dieser Zeit, muss ich ganz ehrlich sagen.

Der Verein wollte die Partie in Elstorf noch verlegen, oder?

Ja, genau. Meines Wissens nach war der Verein da wirklich bemüht, hat mit dem Staffelleiter und dem Gegner gesprochen. Aber letzten Endes haben die Statuten gesagt, dass wir spielen müssen, sofern in Elstorf keine Allgemeinverfügung wie hier im Landkreis Osterholz herrscht. Die Konsequenz bei einem Nichtantritt wäre eine 0:5-Niederlage gewesen.

Sie meinen, Sie hätten sich vom Verband gewünscht, dass er die Entscheidung den Vereinen überlässt, ob sie so kurz vor dem sportlichen Lockdown noch antreten wollen?

Es ist nun mal so: Corona macht kein Wochenende. Als sich das alles gegen Mitte der letzten Woche angebahnt hatte, hätte man doch sagen können: Auch an diesem Wochenende wird kein Fußball mehr gespielt. Zumindest aber hätte ich mir gewünscht, dass die Möglichkeit besteht, nicht antreten zu müssen.

Gab es von einigen Spielern Bedenken, ob sie mit nach Elstorf fahren wollen?

Wir haben das ausführlich thematisiert und im Vorfeld abgewogen. Letztlich haben wir eine Sprache gesprochen. Es kam ja auch gerüchteweise auf, dass wir auf andere Kreise ausweichen würden, um dort zu trainieren. Aber das war für uns zu keiner Zeit ein Thema. Auch, weil man so etwas in dieser Zeit einfach nicht bringen kann. Da sind wir wieder beim Thema, welche Bedeutung Fußball für unsere Existenz hat. Und die Gesundheit steht nun einmal an oberster Stelle.

Erschwerend hinzu kam, dass Ihr Team komplett unvorbereitet ins Spiel gehen musste. Hat man der Mannschaft das fehlende Training nach eineinhalb Wochen angemerkt?

Das ist schwer nachzuvollziehen. Aber ja, der Rhythmus im Spiel war einfach nicht so da. Das hat man von der ersten bis zur letzten Minute gemerkt, und das Training kann durch Laufen oder Fahrradfahren am Ende einfach nicht aufgefangen werden. Ich wundere mich auch darüber, dass das so schnell gehen kann. Aber das Spiel in Elstorf war die perfekte Bestätigung.

Wie soll es denn jetzt weitergehen? Wie ist der Fahrplan für die kommenden Wochen?

Tja, was kommt? Wir haben uns darauf verständigt, dass wir uns individuell fit halten, ohne zu wissen, was kommt. Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass wir in diesem Jahr noch spielen werden.

Das Gespräch führte Dennis Schott.