Keine Garantien

SV Blau-Weiß Bornreihe

12. August 2021

Autor: Thorin Mentrup;

Der SV Blau-Weiß Bornreihe startet mit einem neuen Kapitän und großem Konkurrenzkampf in die neue Saison

Eines ist beim Fußball-Landesligisten SV Blau-Weiß Bornreihe sicher: dass nichts sicher ist. Zumindest nicht in Bezug auf die Stammplätze. “Genauso haben wir uns das gewünscht”, betont Nils Gresens, der die Blau-Weißen gemeinsam mit Frank Meyer trainiert. Mit der neuen Saison beginnt für den langjährigen Kapitän der “Moorteufel” auch persönlich ein neues Kapitel. Er steigt endgültig in den Trainerstab auf, die Zeit als spielender Coach ist vorbei.

Befreit von den Aufgaben auf dem Feld, kann sich Gresens noch mehr auf eine der spannendsten Fragen bei den Blau-Weißen konzentrieren – nämlich die, wer denn spielen soll. Am Sonntag zum Auftakt gegen den VfL Güldenstern Stade, aber dann Woche für Woche aufs Neue. Niemand ist gesetzt. Es gibt Startelf-, aber keine Stammplätze. Selbst im Tor nicht. Henner Lohmann, Phillip Levitin und Daniel Griesbach liefern sich ein offenes Duell. “Ein Keeper, der am ersten Spieltag spielt, muss nicht zwangsläufig am zweiten spielen”, verdeutlicht Gresens. Der Konkurrenzkampf bei den “Moorteufeln” ist riesig. Auf jeder Position.

Das liegt zum einen daran, dass Meyer und Gresens der Wunsch vom großen Kader erfüllt wurde. Zudem bringen die Neuen viel Qualität mit. Keeper Lohmann ist Oberliga-erprobt, Justin Dähnenkamp hat sogar in der Regionalliga gespielt. Timo Kanigowski kommt mit jeder Menge Landesliga-Erfahrung ins Teufelsmoor. Und auch auf die anderen Neuzugänge hält Gresens große Stücke. Alle hätten gezeigt, dass sie eine Bereicherung seien. Bewusst habe man unterschiedliche Spielertypen geholt. Jeder solle seine ganz eigene Komponente einbringen. Am Trainerteam ist es dann, diese besondere Fähigkeit zu fördern, bis sie perfekt ins Teamgefüge passt. Oder wie es Gresens ausdrückt: “Wir wollen erreichen, dass wir eine gewisse geschlossene Mannschaftsleistung hinbekommen.”

Rückschlüsse auf die Startformation haben Gresens und Meyer mit ihren Aufstellungen in den Testspielen kaum ermöglicht. Wohl auch deshalb, weil sie selbst noch nicht im Detail wissen, wie die erste Elf aussehen wird. “Wir werden uns Freitag nach dem Training zusammensetzen und dann entscheiden”, kündigt  Gresens an. Die Spieler haben es ihren Trainern nicht leicht gemacht. Es werde schwer sein, einigen mitzuteilen, dass sie es nicht in die Startelf, womöglich sogar nicht einmal in den Kader geschafft haben, sagt der 32-Jährige. Die Leistungsdichte ist enorm: “Wir könnten 15, 16 Leute aufstellen, ohne dass wir Bauchschmerzen hätten.” Und auch alle anderen Spieler könne man ohne Bedenken einwechseln. Gresens und Meyer müssen schwierige personelle Entscheidungen fällen und moderieren. Aber sie sehen diese Situation eher als Luxus: Sie können die Spieler ihren Stärken entsprechend einsetzen, auf Ausfälle und den Gegner reagieren. Denn nicht nur die Neuen halten bislang das, was sich die Trainer versprochen haben. Auch die Akteure, die schon länger da sind, “sind super aus der langen Pause gekommen”, sagt Gresens.

Das klingt sehr positiv. Und doch gebe es noch einiges zu tun, mahnt Gresens. In den Tests habe es Licht und Schatten gegeben. Nicht alles war zufriedenstellend. So etwa die zwei Gegentore bei der Generalprobe, dem 7:2 über die SG Stinstedt. “Das war zu einfach, das darf uns in der Liga nicht passieren”, sagt Gresens, schränkt aber ein: “Wir waren immer auf einem Weg, von dem wir wussten, dass es ergebnistechnisch Rückschläge geben wird.” So etwa beim Burmeister-Cup in Bremerhaven, bei dem die Blau-Weißen ohne Sieg und Treffer blieben. Dem gegenüber steht der Erfolg bei der eigenen Sportwoche, “der für das Gefühl sehr wichtig war”. Am Ende der Vorbereitung findet Gresens: “Wir können zufrieden sein, vor allem, weil wir mit wenigen bis keinen Verletzungen durchgekommen sind.”

Während das Rennen um die Stammplätze offen ist, haben sich die Blau-Weißen in der Kapitänsfrage festgelegt: Michel Klimmek wird die Binde tragen, seine Stellvertreter sind Meikel Klee und Philip Bähr. Ein Trio mit Erfahrung, zudem bereits seit längerer Zeit im Verein. “Das sind wichtige Faktoren. Man muss schon wissen, was im Verein abgeht, und eine gewisse Identität haben”, sagt Gresens. Das bringen Klimmek, Klee und Bähr mit.

Das Trio wird ein Team anführen, dessen Ziel die Meisterrunde ist. Wachsen da etwa Aufstiegsträume im Teufelsmoor? “Wenn die Oberliga herauskommt, wird der Verein das unterstützen”, sagt Gresens. Der 32-Jährige gibt aber zu bedenken: “Eine Meisterschaft kann man nicht planen.” Besonders nicht unter den jetzigen Gegebenheiten. Nicht nur Verletzungen oder Pech können ein Faktor werden, sondern auch Corona. “Das wird keine Saison, in die jeder mit den gleichen Voraussetzungen reingeht oder die gesamte Zeit die gleichen Voraussetzungen hat”, sagt Gresens. Favorit sei der SV Ahlerstedt/Ottendorf. Mit Treubund Lüneburg und dem TuS Harsefeld nennt er zwei weitere Klubs aus der Kategorie “übliche Verdächtige”. Und wozu zählt Bornreihe? Vielleicht ja zu den Überraschungsmannschaften. Wobei: Eine starke Serie der Blau-Weißen würde nicht aus dem Nichts kommen. Dafür haben sie selbst gesorgt – mit klugen Transfers, einem großen Kader und einem noch größeren Konkurrenzkampf.