Autor: Dennis Schott (Wümme Zeitung) – 21. September 2019 (e-Paper); Foto: Tobias Dohr

Punktloser Fußball-Landesligist SV Bornreihe hat gegen den SV Ahlerstedt/Ottendorf nichts zu verlieren

Steffen Dietrich umschreibt es mit „bemerkenswert“. Damit meint der Verteidiger des SV Blau-Weiß Bornreihe zwar auch, aber nicht zwangsläufig, die fünf Niederlagen in den fünf bisherigen Saisonspielen, sondern vielmehr deren Zustandekommen. Denn bei drei dieser fünf Niederlagen führten die Blau-Weißen jeweils. Mehr noch: Sie spielten überwiegend richtig guten Fußball – bis das erste Gegentor fiel und der Lüneburger Landesligist nicht mehr im Ansatz das abzurufen vermochte, was er noch kurz zuvor gezeigt hatte. „Das darf mal passieren, aber nicht so häufig wie zurzeit“, findet Bornreihes Abwehrmann.

Steffen Dietrich, der wie Loris Menger jede Partie durchgespielt hat, hat jede Minute dieses vermaledeiten Saisonverlaufs miterlebt. Dass diese null Zähler auf der „Habenseite“ ihm und der Mannschaft mächtig aufs Gemüt schlagen, daraus macht er keinen Hehl. Allerdings ist der 27-Jährige weit davon entfernt, Trübsal zu blasen – genau wie der Rest des Teams. Es herrscht vielmehr ein „Jetzt erst recht“, das zeigte sich in dieser Woche ganz klar.

Das Training stand noch deutlich unter dem Eindruck der 1:3-Niederlage beim TuS Harsefeld. Die Blau-Weißen hatten abermals verloren, wieder nach einer Führung, und das gegen eine Mannschaft, die nicht unbedingt besser als die Bornreiher war, aber eben die offensichtliche Verunsicherung nach dem ersten Gegentor eiskalt ausnutzte. Weil dies zum wiederholten Male vorkam, schrie dies geradezu nach einer Aufklärung, und Trainer Michael Rickers bat sein Team denn auch zum Gespräch. „Wir haben ein paar Punkte angesprochen“, verrät Bornreihes Coach, will darauf aber nicht näher eingehen. Was intern besprochen wurde, soll auch intern bleiben, begründet Rickers.

Internes bleibt intern

Punkte angesprochen – das lässt zwar viel Raum für Spekulation, doch macht Steffen Dietrich nicht den Eindruck, als herrsche im „Teufelsmoor“ die komplette Krisenstimmung. „Wenn man die Erwartung hat, im gesicherten Mittelfeld zu stehen, sich dann aber mit null Punkten am Tabellenende wiederfindet, dann muss man sich auch hinterfragen“, findet der Bornreiher Verteidiger. Jeder habe den Ernst der Lage erkannt, versichert Dietrich.

Gegen den SV Ahlerstedt/Ottendorf (Sonntag, 15 Uhr) soll nun der Turnaround gelingen. Das klingt angesichts der Saisonverläufe beider Mannschaften (der kommende Gast verlor nur eines seiner fünf Spiele, Anm. d. Red.) ein wenig vermessen, ist aber durchaus ernst gemeint. „Vielleicht ist Ahlerstedt jetzt genau der richtige Gegner für uns, weil uns keiner wirklich etwas zutraut. Vielleicht holen wir jetzt bewusst mehr aus uns heraus, als unterbewusst etwas nachzulassen“, meint Steffen Dietrich. Vielleicht lag genau darin das Übel der jüngsten 1:0-Führungen: Dass sich das Team zu sehr darauf ausruhte, ohne es gewollt zu haben. Da sind die Vorzeichen gegen Ahlerstedt komplett andere. An einer fehlenden Einstellung ist der verpatzte Saisonstart jedenfalls nicht festzumachen. Michael Rickers blickt wie zuvor auf eine „normale Trainingswoche“ zurück, er könne seinen Spielern den Willen nicht absprechen. Sie zögen gut mit, sagt er. Steffen Dietrich hat derweil den Eindruck, dass die Mannschaft manches Mal zu viel will, gerade nach einem Gegentor, und sich dabei selbst im Weg steht. „Manchmal ist unsere Struktur dann nicht mehr in sich stimmig“, meint der Verteidiger. Und natürlich gebe es noch einen Punkt, der nicht zu unterschätzen ist: die Verunsicherung. „Das ist doch ganz klar, dass wir nicht das größte Selbstvertrauen haben“, meint Steffen Dietrich. Coach Rickers bestätigt: „Das Meiste spielt sich im Kopf ab.“

In der momentanen Verfassung hat der SV Blau-Weiß Bornreihe kaum eine Chance gegen den SV Ahlerstedt/Ottendorf – aber genau die will er nutzen. Wie? „Ahlerstedt ist natürlich sehr stark, spielerisch wie körperlich. Das wird ein harter Kampf für uns. Aber das ist genau das Richtige für uns, dass wir über den Kampf ins Spiel finden. Wir müssen auf jeden Fall voll da sein“, erklärt Steffen Dietrich, während Trainer Michael Rickers den Gegner als „Nonplusultra“ bezeichnet. „Für mich ist Ahlerstedt die stärkste Mannschaft der Liga.“