In einen Rausch und zum Titel gespielt

SV Blau-Weiß Bornreihe

15. Juni 2020
Autor: Thomas Müller, Foto: Wümme Zeitung

“Spiel meines Lebens”: Michael Rehberg muss mit den VSK-Basketballerinnen lange um den Aufstieg zittern

„Ich bin als Spieler und Trainer ein paar Mal Meister geworden, habe den Bremer Pokal mehrfach gewonnen, aber dieses Spiel ist wirklich hängen geblieben“, erinnert sich Michael Rehberg an seine Ära im Basketball und da an ein ganz besonderes Spiel mit den Damen des BC VSK Osterholz-Scharmbeck. An jenem 13. März 2004, einem Sonnabend. Es war das letzte Saisonspiel in der Oberliga beim gastgebenden SC Weyhe. „Ein echtes Endspiel also, das über Erfolg oder Misserfolg einer ganzen Saison entschieden hat“, erinnert sich Rehberg; denn nur der Gewinner der Partie würde Meister werden und in die 2. Regionalliga aufsteigen.

Vor rund 100 Zuschauern, davon die Hälfte aus Osterholz-Scharmbeck, kamen die VSK-Damen irgendwie gar nicht in Schwung. Rehberg: „Drei Viertel des Spiels waren richtig Grütze. Aber ich wusste, dass unsere Mannschaft das schaffen wird.“ Dabei lag die von ihm und Markus Dannenbaum trainierte Mannschaft, abgesehen von den Anfangsminuten, stets im Rückstand. In der letzten Minute, sieben Sekunden vor Schluss, gingen die Gäste mit 50:49 in Führung und legten sogar noch das 51:49 per Freiwurf nach. Rehberg ist heute noch stolz:  „Wir haben, als richtig Druck da war und das Spiel verloren schien, das letzte Viertel mit 25:8 gewonnen, wurden Meister und sind aufgestiegen.“

Martina Otten, mit elf Punkten treffsicherste Scorerin ihres Teams, hatte per Korbleger die wichtige 50:49-Führung für den VSK erzielt.  Das aber war noch nicht der Endstand. Vier Sekunden vor Abpfiff nahm Simone Dannenbaum ihrer Gegenspielerin den Ball ab, wurde gefoult und markierte mit dem fälligen Freiwurf das 51:49. „Das war der wichtigste Steal der ganzen Saison“, hieß es dann im Spielbericht dieser Zeitung.

Die lange Zitterpartie für Rehberg & Co. verlief so: „Nach dem ersten Viertel lagen wir 16:18 zurück. Nach dem dritten Viertel stand es 41:26 für Weyhe“, so der Coach. Das zweite Viertel dazwischen war ziemlich beschämend – für beide Mannschaften. „Die Anschreiber hatten nicht sonderlich viel zu tun“, hieß es im Zeitungsbericht. Die Gastgeberinnen brachten es auf drei Feldkörbe, der VSK auf einen Dreier sowie einen verwandelten Freiwurf. 6:4 für Weyhe.

Wie der Turnaround zustande kam – Michael Rehberg kann es gar nicht so richtig erklären: „Auf jeden Fall haben wir auf Manndeckung umgestellt, die Handbremse endlich gelöst und ins irgendwie in einen Rausch gespielt. Da klaust du den Ball und versenkst ihn.“ Und es war auch Ergebnis eines unvergleichlichen Teamgeistes: „Wir waren ja in zehn Jahren richtig zusammengewachsen.“

Nach dem Spiel gab es natürlich viele emotionale Szenen mit dem Sektbecher in der Hand und Freudentränen in den Augen. Ja, und dann schalteten sie alle beim VSK schnell um in Partystimmung. „Wir waren schön essen und haben natürlich gefeiert. Das konnten die Mädels nämlich auch“, weiß Rehberg noch. Ob es in jenem Jahr auch die übliche Saisonabschlussfahrt gab – der Verein hatte da für gewöhnlich ein Haus in Dänemark gemietet –, hat Rehberg nicht mehr ganz sicher in Erinnerung. Gewiss, es seien stets schöne Tage an der See gewesen. Obwohl: „Ich musste da auch immer tanzen, die Mädels wollten das so“, erzählt der Trainer, der nicht übertrieben gern übers Parkett schwofte.

Aus seiner Zeit als aktiver Basketballer erinnert er sich zudem gern an seine Zeit in Lesum: „Das waren ein paar sehr geile, erfolgreiche Jahre. Auf ein einzelnes Spiel kann ich mich da nicht festlegen.“ Im Fußball sei es natürlich Bornreihes 5:0-Sieg gegen den FC Hagen/Uthlede in der Saison 2015/16 gewesen, als die Hagener mit drei Punkten Vorsprung und dem besseren Torverhältnis nach Bornreihe kamen. „Danach waren wir Tabellenführer und sind dann ja Landesliga-Meister geworden“, muss Rehberg noch heute verschmitzt grinsen.

In einem Rausch zum Titel gespielt.