Autor: Werner Maaß (Osterholzer Kreisblatt)

Es passte einfach nicht mehr. Weder die sportliche Situation noch die Trainingsmoral. So zogen Andre Lütjen und Bernd Böschen die Reißleine und traten vom Traineramt zurück.

Andre Lütjen und Bernd Böschen waren mit ganz anderen Ambitionen angetreten. Genau wie der gesamte Verein. Und die Spieler. Mittlerweile ist der SV Blau-Weiß Bornreihe aber in der Fußball-Landesliga im Abstiegskampf angekommen. Die Entwicklung in den letzten Wochen war alles andere als erfreulich, so entschlossen sich Andre Lütjen und Bernd Böschen, die Reißleine zu ziehen und gaben gestern ihren Rücktritt bekannt.

Für das für den heutigen Sonnabend um 14 Uhr angesetzte Punktspiel bei Treubund Lüneburg wurde kurzfristig eine Übergangslösung gefunden. Kapitän Nils Gresens führt das Team als Interims-Spielertrainer auf das Feld. Von der Seite aus gibt Torwarttrainer Nils Kühtmann die Anweisungen – so denn überhaupt gespielt werden sollte. Zumindest bis Redaktionsschluss wurde die Partie noch nicht abgesagt, Treubund Lüneburg bekundete mehrfach, unbedingt spielen zu wollen.

Andre Lütjen ließ durchblicken, wie schwer sein Kollege und er sich mit diesem Schritt getan hätten. Doch für die beiden gab es einfach keine andere Lösung mehr. Lütjen führte zwei Gründe an, die zum Rücktritt geführt hatten: zum einen die unbefriedigende sportliche Bilanz, zum anderen die mangelnde Trainingsbeteiligung. Und beide Komponenten führten zu einem Ist-Zustand, der für alle beteiligten Parteien, für Mannschaft und Trainer, für Verein und Fans, so nicht mehr tragbar gewesen sei.

Lütjen bemühte sich, diplomatisch zu bleiben. Und dennoch wurde deutlich, dass das Thema „Trainingsbeteiligung“ sehr an den Nerven der beiden Coaches genagt hatte. Gerade in den zurückliegenden drei oder vier Wochen. Mehrfach fanden sich gerade einmal acht Akteure zu den Übungseinheiten ein. So sah sich das Trainergespann nicht mehr in der Lage, zielgerichtet an den Defiziten des Teams zu arbeiten. Weder im Fitnessbereich noch an technischen oder taktischen Inhalten. Und deren Baustellen gab und gibt es jeweils reichlich.

Es ist dieser Teufelskreis, der bei Andre Lütjen und Bernd Böschen für ein Gefühl der Ohnmacht sorgte. Ideen hatten die Trainer reichlich, Möglichkeiten, ihre Philosophie zu vermitteln, allerdings kaum. „Wir hätten uns mehr Engagement von den Spielern gewünscht. Und die ganze unbefriedigende Situation geht zulasten der Homogenität“, sagte Lütjen. Und der Coach stellte ernüchtert fest: „Anscheinend haben wir es nicht geschafft, die Mannschaft genügend animieren zu können.“

Zum Zankapfel Trainingsbeteiligung bezog übrigens auch Bornreihes Kapitän Nils Gresens unmissverständlich Stellung: „Was dieses Thema angeht, da muss ich den beiden Trainern leider recht geben. Gerade in den letzten Wochen.“ Doch Gresens wollte den fehlenden Trainingsfleiß weniger an Andre Lütjen oder Bernd Böschen festmachen: „Wenn man Tabellenführer ist, dann fällt es oftmals leichter, zum Training zu kommen. Wir stehen jetzt aber unten drin, da hat der eine oder andere weniger Lust, sich aufzuraffen.“ Gresens holte sogar noch weiter aus: „Jeder sucht Gründe, warum es nicht läuft. Es gibt aber Spieler, die suchen keineswegs zuerst bei sich, für die ist immer nur der Trainer schuld.“ Und der Bornreiher Kapitän nahm sich und seine Teamkollegen in die Pflicht: „Vielleicht ist das ja jetzt der Impuls, den der eine oder andere brauchte. Jetzt gibt es kein Alibi mehr, jetzt kann sich keiner mehr verstecken.“

Ebenso ausschlaggebend für den Rücktritt war der Blick auf die Tabelle. Bornreihe steht auf Rang 13 und damit direkt auf einem Abstiegsplatz. Nur elf Punkte aus zwölf Spielen sind unbefriedigend. „Das ist nicht das, was wir alle uns vorgestellt haben. Wir wollen nicht gleich durchgereicht werden. Es geht nicht um einzelne Personen, es geht um den Verein“, sagte Andre Lütjen. Die Angst ist groß, in der Bezirksliga zu verschwinden. Nur noch einer von vielen im Landkreis Osterholz zu sein, der Status des „Kultklubs“ steht auf dem Spiel.

Jetzt ist der Teammanager Gerd Stelljes gefragt. Doch der war gestern zunächst noch ziemlich geplättet: „Natürlich ist der Frust groß, wenn die nötigen Punkte fehlen. Aber damit hatte ich jetzt nicht gerechnet, das ist für mich noch nicht nachvollziehbar. Das muss ich erst mal sacken lassen.“ Stelljes machte keinen Hehl daraus, dass – wenn überhaupt – dieser Schritt besser in der Winterpause vollzogen worden wäre. Zumindest eine Übergangslösung für das Treubund-Spiel hatte Stelljes parat, Gresens und Kühtmann übernehmen kurzfristig. Weitere Namen hatte Stelljes noch nicht zu bieten. Auf Nachfrage räumte er ein, dass auch der Trainer der 2. Herren, Julian Gelies, eine Alternative sein könnte. „Das wäre sicherlich auch eine Option. Dazu gibt es aber noch nichts zu sagen.“