Autor: Wümme Zeitung – 10. August 2018 (e-Paper)

Bornreiher Spieler haben ihr Saisonziel selbst ausgegeben – sie wollen sich an der starken Rückrunde messen

Das Thema Zielsetzung wird im Vorfeld einer Saison immer gerne diskutiert. Wie wird eine Mannschaft von der Konkurrenz eingeschätzt? Wo sieht sie sich selbst? Das wird nicht nur in der Bundesliga umfänglich diskutiert, auch in den Amateurligen ist es zum Saisonstart ein Thema. In der Landesliga Lüneburg, genauer gesagt beim SV Blau-Weiß Bornreihe, kann diese Diskussion durchaus als kleines Kuriosum eingestuft werden.

Die komplette Hinrunde standen die „Moorteufel“ unter ihrem Trainergespann Andre Lütjen und Bernd Böschen im Tabellenkeller, kämpften sich dann mit einer sensationellen Rückrunde unter Neu-Trainer Saša Pinter tatsächlich noch auf Rang drei vor und waren nebenbei auch noch mal eben die beste Rückrundenmannschaft der Liga. Dieser unglaubliche Lauf sowie die nochmals verbesserte Kaderzusammensetzung führt nun dazu, dass die Blau-Weißen von fast jedem Klub als einer der Top-Meisterschaftsfavoriten angesehen wird. Und die Bornreiher? Die nehmen diese Herausforderung an. Platz eins bis drei – so lautet das offizielle Saisonziel der Pinter-Elf.

Der 43 Jahre alte Coach macht im Zusammenhang mit dieser Diskussion deutlich: „Das ist ausdrücklich das Saisonziel, auf das sich die Mannschaft geeinigt hat. Und ich gehe mit diesem Ziel absolut konform.“ Im Detail bedeutet das: Das Team will versuchen, die starke Rückrunde zu bestätigen und möchte einen Angriff auf die Meisterschaft unternehmen. Das alleinige Ziel, wie es vor Jahresfrist der FC Hagen/Uthlede recht offensiv und deutlich ausgerufen hat, soll der Titelgewinn aber nicht sein. „Aber klar ist auch, dass wir letztes Jahr Dritter geworden sind und uns nicht verschlechtern wollen.“

Mit Treubund Lüneburg, Eintracht Celle und der SV Ahlerstedt/Ottendorf gäbe es aber nun mal auch ziemliche Konkurrenz. „Und wir sind noch nicht so ein Hochkaräter wie es Hagen im letzten Jahr war und können da mal eben so durchrauschen“, sagt Pinter. Das merkten die „Moorteufel“ sehr schmerzhaft am vergangenen Wochenende, als es im Bezirkspokal-Achtelfinale in Ahlerstedt eine herbe und auch in der Höhe verdiente 0:4-Niederlage setzte. „Es war der erste starke Gegner auf Augenhöhe, und der hat uns unsere Fehler sofort aufgezeigt“, sagt Pinter.

Unglückliche Testspiel-Planung

Der Bornreiher Coach ist zwar mit dem Einsatz seiner Spieler, der Trainingsbeteiligung und Intensität im Kader vollauf zufrieden, und auch im Umfeld der Mannschaft haben sich alle optimal eingebracht. Doch mit der Planung der Testspiele ist Pinter überhaupt nicht glücklich: „Durch den Bezirkspokal wurde uns ja praktisch unser Programm aufgezwängt.“ Gerne hätte er sein Team auch noch ein-, zweimal mehr gegen höherklassige Teams testen lassen, doch das war angesichts der Pokalhatz gar nicht mehr möglich.

Deshalb rechnet Pinter damit, dass es noch einige Wochen dauern wird, bis sein Team wirklich dort ist, wo er es sehen will. „Das Ahlerstedt-Spiel hat uns deutlich gezeigt, was wir in der Landesliga wieder investieren müssen.“ Gleichwohl werde auch die Integration der Neuzugänge noch eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen. „Das ist aber auch völlig normal, dass da nicht fünf Wochen in der Vorbereitung ausreichen“, so der Coach. Immerhin habe er das Gefühl, dass die neuen Akteure mittlerweile verstanden hätten, wie das Bornreiher Spiel aussehen soll.

Mit Finn Holznagel ist einer der neuen Spieler übrigens gar nicht mehr dabei. Der junge Mann vom JFV Bremerhaven war nur zum Trainingsauftakt erschienen und danach nicht mehr. Nach einigen Gesprächen beendete Pinter dann die kurze Zusammenarbeit wieder. Dafür fand der Coach in Loris Menger einen mehr als adäquaten Ersatz. „An Loris war ich ja schon länger dran, das ist ein super Transfer für uns“, so Pinter, der auch ansonsten mit der Zusammenstellung des Kaders absolut zufrieden ist: „Wir haben eine sehr gute Mischung im Kader, und bislang geben alle richtig Gas.“ Auch das Trainerteam, das nun ganz offiziell um Co-Trainer Frank Meyer, der in der Endphase der letzten Saison bereits reingeschnuppert hatte, vergrößert wurde, sei laut Pinter optimal aufgestellt.

Das Spielergerüst dürften erneut Akteure wie Andre Waldau, Steffen Dietrich, Artur Degtjarenko, Nils Gresens, Philip Bähr oder Patrick Müller bilden. Sollten die verletzungsanfälligen Torben Poppe und Hendrik Lütjen mal vom Pech verschont bleiben und Neuzugang Michel Klimmek seine starke Form der vergangenen Saison bei Hagen/Uthlede auch im Teufelsmoor abrufen können, hätte Pinter weitere Trümpfe im Ärmel. Und dann sind da ja noch die ganzen jungen Leute, die mächtig Druck machen und in den vergangenen Monaten auch schon dicke Ausrufezeichen gesetzt haben, allen voran Miguel Mendoza und Jeremy da Rocha Nunes.

In dieser Aufzählung fehlen sogar noch wichtige Akteure wie Christopher Stolz, Anil Morkan, Alexander Huhn, Adrian Chwiendacz oder Jan Wohltmann. Keine Frage: Dieser Bornreiher Kader regt die Fantasie an. Trotzdem gibt Saša Pinter zu bedenken: „Es macht ja keinen Sinn, wenn ich als Trainer sage: Wir wollen unbedingt Meister werden. Das müssen alle Spieler und alle im Verein mittragen.“ Mit der selbst gesteckten Zielsetzung macht das Team nun deutlich, dass es sich auf gar keinen Fall gegen den maximalen Erfolg wehren würde. Am Sonntag soll gegen Aufsteiger VfL Güldenstern Stade der erste Schritt getan werden. Mit Hendrik Lütjen, Elliot Cuthbert, Jan Wohltmann, Nico Eden, André Waldau und Koen Schoffner fallen zwar gleich mehrere Akteure aus unterschiedlichen Gründen aus, dennoch wird die Bornreiher Bank bestens besetzt sein. „Wir freuen uns, dass es endlich los geht. Wir wollen zu Hause eine Macht werden und Stade zeigen, dass die Landesliga eine andere Geschichte ist.“ Eine, in der die „Moorteufel“ in den kommenden Monaten eine absolute Hauptrolle spielen wollen.

Neuzugänge: Nico Eden (OSC Bremerhaven), Martin Küstner (FC Hambergen), Michel Klimmek, Jan Wohltmann (beide FC Hagen/Uthlede), Adrian Chwiendacz (Habenhauser FV), Finn Holznagel (JFV Bremerhaven), Koen Schoffner, Elliott Cuthbert (beide Pacific Soccer Institute/Victoria, Kanada), Loris Menger (FC Eintracht Cuxhaven)

Abgänge: Teo Nekić (Ziel unbekannt), Tino Brünjes (FC Worpswede), Christian Leopold (Karriereende), Dennis Klindtworth (Bremervörder SC), Paul Hollwedel (Ziel unbekannt), Abel Tsigab (VSK Osterholz-Scharmbeck), Jascha Stern (FC Hagen/Uthlede)

Restkader: Daniel Griesbach, Jan Wendt; Nils Gresens, Steffen Dietrich, Kevin Sammann, Christopher Stolz, Miguel Mendoza, Artur Degtjarenko, Hendrik Lütjen, Torben Poppe, Patrick Müller, André Waldau, Michel Waldow, Philip Bähr, Jeremy da Rocha Nunes, Anil Morkan, Alexander Huhn

Trainer: Saša Pinter (seit Januar 2018)
Co-Trainer: Frank Meyer
Torwarttrainer: Nils Kühtmann
Teammanager: Gerhard Stelljes
Betreuer: Werner Filz, Milan Alexis
Physiotherapeut: Stefan Wanger
Teamarzt: Dr. Michael Koop

Meisterschaftsfavorit: MTV Treubund Lüneburg
Saisonziel: Platz 1 bis 3