Ein gefundenes Fressen

SV Blau-Weiß Bornreihe

11. November 2019
Autor: Tobias Dohr

Nils Gresens (30) ist auf dem besten Wege zur Bornreiher Vereinslegende. Seit Sommer 2010 läuft Gresens mittlerweile schon für die “Moorteufel” auf, viele Jahre davon als Mannschaftskapitän. Nach dem Rücktritt von Michael Rickers hat Gresens die Rolle des spielenden Co-Trainers übernommen, der sich die Traineraufgabe mit Frank Meyer teilt.

Herr Gresens, seit drei Spielen ist Michael Rickers kein Trainer mehr und alle drei Spiele wurden gewonnen. Können Sie sich das eigentlich erklären?

Nils Gresens: Das ist schon ein wenig kurios. Aber man sieht das ja auch in höheren Ligen immer wieder, dass manchmal auch eine kleine Veränderung große Auswirkungen haben kann. Allerdings muss ich ausdrücklich betonen, dass wir ja auch vor dem Rücktritt von Michael Rickers keine schlechten Spiele gemacht haben. Die Ergebnisse waren fast immer knapp, es gab keinen einzigen Abschuss. Bemüht haben sich alle wirklich auch davor.

Ich glaube, wir sind uns einig, dass auch niemand ernsthaft der Truppe vorwerfen kann, dass sie gegen Michael Rickers gespielt hat . . .

Auf gar keinen Fall. Ich habe zweimal sehr gerne mit Michael zusammengearbeitet. Da war wirklich alles in Ordnung. Und ich bin mir sicher, dass wir vor allem eine Ergebniskrise hatten. Aber vielleicht ist durch diesen Rücktritt bei einigen Spielern noch mal dieses letzte Prozent herausgekitzelt worden, das wir gebraucht haben.

Tut Ihnen Michael Rickers da nicht manchmal sogar etwas leid?

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass er mir total leidtut. Am Ende war Michael in gewisser weise das Bauernopfer. Und natürlich müssen diese jüngsten Siege jetzt dreimal wie eine Ohrfeige für ihn gewesen sein. Aber ich bin mir ganz sicher: Michael freut sich, dass wir jetzt gewonnen haben. Dafür sind ihm der Verein und die Mannschaft viel zu wichtig.

Haben Sie und Co-Trainer Frank Meyer eigentlich irgendetwas Konkretes verändert, oder war das zuletzt in erster Linie das zurückgekehrte Spielglück?

Nein, mit Spielglück würde ich das nicht erklären. Dafür waren wir in allen drei Spielen auch zu präsent. Wir haben ein, zwei Kleinigkeiten verändert, aber nichts Grundlegendes. Aber diese Veränderungen fruchten momentan einfach ganz gut.

Jetzt haben Sie noch vier Spiele bis Weihnachten, drei davon gegen Teams, die punktemäßig allesamt in Reichweite sind. Eine optimale Ausgangslage, oder?

Definitiv. Wir haben vor drei Spielen gesagt, dass wir das Feld jetzt von hinten aufrollen wollen, konnten dabei auch gleich zwei der letzten Gegner durch Siege überholen. Wenn wir jetzt diese Serie ausbauen, sind auch Teams wie Ottersberg, Verden und Güldenstern Stade noch vor Weihnachten zu kriegen. Und genau das muss das Ziel sein.

Sie haben zuletzt zweimal verletzungsbedingt nicht spielen können, stattdessen von außen gecoacht. Wie wird es am Sonntag im Heimspiel gegen den TSV Ottersberg sein?

Das weiß ich selbst noch nicht so ganz genau. Ich hatte zuletzt Probleme an Rücken und Hüfte und werde Sonntag kurzfristig schauen, ob es geht. Auf jeden Fall stelle ich mich nicht mit halber Kraft aufs Feld.

Wäre das generell eine Option zu sagen, Sie ziehen sich in dieser Konstellation erst einmal an die Seitenlinie zurück?

Nein, auf keinen Fall. Ich bin in erster Linie Spieler, das habe ich dem Verein auch so mitgeteilt. Ich möchte der Mannschaft und dem Verein auf dem Platz helfen.

Wie teilen Sie und Frank Meyer sich die Trainingsarbeit denn eigentlich auf?

Das klappt wirklich gut. Fraggle (Meyers Spitzname, Anm. der Redaktion) und ich setzen uns am Montag immer zusammen und entwickeln die Trainingsschwerpunkte und -inhalte. Frank arbeitet dann die Einheiten aus. Die Aufstellung überlegen wir uns zusammen, die Ansprache vor dem Spiel übernehme dann ich.

Jetzt hat es zuletzt auch reichlich Diskussionen um zwei Artikel in dieser Zeitung gegeben, in denen zwei Szenarien der Bornreiher Fußballzukunft beschrieben wurden. Eines davon beschäftigte sich mit dem Abstieg der „Moorteufel“ in die Bezirksliga, was zum Teil heftige Reaktionen – vornehmlich aus dem Bornreiher Lager – hervorgerufen hat. Das hat die Mannschaft sicherlich auch mitgekriegt, oder?

Auf jeden Fall.

Hat es Sie überrascht, dass bereits bei dieser rein hypothetischen Herangehensweise an das Thema Abstieg die Nerven offenbar ziemlich angespannt sind?

Ich muss ganz ehrlich sagen: Für Fraggle und mich war das in unserem ersten Spiel als verantwortliche Trainer ein gefundenes Fressen. Wir haben beide Artikel vor dem Heimspiel gegen Lüneburg in der Kabine aufgehängt und auch entsprechend in die Teamansprache eingebunden. So konnten wir den Spielern ganz detailliert aufzeigen, wie die Bornreiher Zukunft aussehen kann. Und wir haben sie gefragt: Was wollt Ihr? Dieses Szenario, oder dieses? Und dann haben wir klargemacht, dass wir es selbst in der Hand haben.

Es scheint aber schon so zu sein, dass sich große Teile des Umfeldes doch schon sehr über die Spielklasse definieren. Ist das nicht ein wenig überraschend? Hätte man nicht eher gedacht: Bornreihe ist so oder so ein besonderer Verein, ganz egal in welcher Liga?

Ich bin mir ganz sicher, dass Bornreihe auch in der Bezirksliga funktionieren würde. Dafür gibt es viel zu viele Menschen, die hier viel Arbeit und Energie reinstecken. Und auch bei den Spielern sind einige, die sich diesem Verein verpflichtet fühlen. Aber man kann das vielleicht mit dem Abstieg des Hamburger SV vergleichen. Wie schlimm war das damals für die HSV-Anhänger, nach so viele Jahren in der Bundesliga abzusteigen? Und Bornreihe ist nun einmal der Verein, der quasi immer Landesliga oder höher gespielt hat. Das hat dann schon eine große Bedeutung für die Menschen. All das ist natürlich auch an die Mannschaft nach den besagten Zeitungsartikeln herangetragen worden. Und das zeigt uns am Ende eben auch, wie groß unsere Verpflichtung gegenüber dem Verein ist.

Das Gespräch führte Tobias Dohr.