Ein fast perfekter Abend

SV Blau-Weiß Bornreihe

22. Juli 2021
Autor: Dennis Schott; Foto: Wümme Zeitung

Nach dem Sieg der Landesliga-Elf gegen Worpswede scheitert Bornreihes Zweitvertretung nur knapp

Viel fehlte nicht und es wäre ein Abend ganz nach dem Geschmack des SV Blau-Weiß Bornreihe geworden. Nachdem die Landesliga-Truppe beim eigenen Turnier um den Hans-Hexe-Wendelken-Cup einen (erwartbaren) 5:0 (3:0)-Erfolg gegen den Bezirksligisten FC Woprswede herausgespielt hatte, schrammte die in der Kreisliga Osterholz beheimatete Bornreiher Zweitvertretung haarscharf an einer Überraschung vorbei. Das Team von Trainer Enrico Berneking zwang den klar favorisierten SV Werder Bremen III ins Elfmeterschießen, musste sich dort aber letztlich geschlagen geben. Der zweite Spieltag im Überblick.

FC Worpswede – SV Blau-Weiß Bornreihe 0:5 (0:3):

Für den Turnierausrichter aus Bornreihe stand dieses Spiel unter einem anderen Stern. Hatte es in den beiden vorangegangenen Testspielen gegen den TSV Stotel (1:2) und die SV Drochtersen/Assel (1:4) noch geheißen, dass das Ergebnis eine untergeordnete Rolle spiele, so waren die Hausherren diesmal sehr wohl auf einen Sieg bedacht. Beim eigenen Turnier möchte der Ausrichter schließlich möglichst weit kommen. “Ein anderes Ziel als einen Sieg gab es nicht”, bestätigte Trainer Frank Meyer hinterher. Er wirkte auch ein wenig erleichtert. Denn dass sich die Hausherren am Ende so deutlich durchsetzen würden, war nach der intensiven Trainingseinheit am Montag und dem Spiel gegen Drochtersen am Sonntag nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Aber die Gastgeber nahmen das Heft von Beginn an in die Hand und hatten bereits nach zwei Minuten durch Michel Klimmek eine aussichtsreiche Chance auf dem Fuß. Nach feinem Pass von Neuzugang Bjarne Schnakenberg blieb der Bornreiher allerdings an FCW-Schlussmann Stephen Osei hängen. Worpswedes Keeper musste noch einmal in höchster Not klären, als ein Schuss von Justin Dähnenkamp sich noch gefährlich senkte (10.). Im direkten Gegenzug eröffnete sich aber den Worpswedern eine gute Möglichkeit, nachdem Derrick Ampofo den mitgelaufenen Jan-Henrik Kück bedient hatte, dieser aber den Ball nicht richtig traf. Überhaupt traten die Worpsweder mutig auf, stellten sich keineswegs nur hinten rein, sondern suchten auch selbst den Weg nach vorne. “Dass wir nicht so weit sind, um uns mit Bornreihe messen zu können, ist klar. Aber ich finde, wir haben das ganz gut gemacht”, überwog bei Worpswede-Coach Oliver Schilling die Zufriedenheit. “Ein Tor hätten wir auch verdient gehabt”, fügte Schilling an, nachdem Derrick Ampofo noch kurz vor Halbzeit nach feinem Pass in die Tiefe knapp am linken Pfosten verzogen hatte.

Zu diesem Zeitpunkt stand es allerdings schon 0:3. Nachdem Bjarne Schnakenberg die Bornreiher Führung besorgt hatte (19.), sollte sich vor allem das 0:2 durch Michel Klimmek als wegweisend herausstellen (28.). Dem Treffer ging nämlich ein folgenschwerer Ballverlust voraus, das setzte den Grün-Weißen doch merklich zu. Als Justin Dähnenkamp per Foulelfmeter auf 3:0 erhöhte – Torwart Stephen Osei foulte Bjarne Schnakenberg –, war die Messe gelesen. Erst recht, als Hendrik Lütjen kurz nach der Pause das 4:0 folgen ließ (42.) und noch das 5:0 nachlegte (50.). “Wir wollten nach der Pause noch einmal richtig Gas geben für zehn, 15 Minuten”, erklärte Bornreihes Coach. Die übrige Spieldauer über schaukelte sein Team den Sieg souverän nach Hause.

SV Werder Bremen III – SV Blau-Weiß Bornreihe II 9:8 n.E. (0:1, 1:1):

Auf einmal herrschte wieder Hoffnung. “Bornreiher Jungs, Bornreiher Jungs, wir sind alle Bornreiher Jungs”, skandierten die Zuschauer, nachdem Werders Lennox Artur Strelow den vermeintlich entscheidenden Elfmeter an die Latte gesetzt hatte. Die Karten im Elfmeterschießen waren damit wieder neu gemischt, und es dauerte bis zum neunten Schützen, ehe eine Entscheidung gefällt wurde. Doch der Reihe nach.

Das Spiel nahm von Beginn an seinen zu erwartenden Verlauf. Die drei Klassen höher angesiedelten Bremer besaßen den weitaus größeren Ballbesitz und schnürten die Bornreiher Zweitvertretung, die einspringen musste, weil Landesligist TSV Ottersberg unverhofft abgesagt hatte, in ihre eigene Hälfte. “Aber die Jungs haben unseren Plan gut umgesetzt”, meinte Bornreihes Coach Enrico Berneking. Räume eng und über ein schnelles Umschaltspiel Nadelstiche setzen – so lautete die Marschroute, die auch aufzugehen schien. Wirklich gefährlich wurde es für die Bornreiher eigentlich nie. In letzter Konsequenz war immer ein Abwehrbein dazwischen. Zudem haderten die Bremer ein ums andere Mal mit Schiedsrichter Chris Barnick, der sie für ihren Geschmack benachteiligte. Und während sich die Grün-Weißen die Zähne ausbissen, packten die Hausherren ihre vereinzelten Gelegenheiten beim Schopfe, um das eigene Offensivspiel anzukurbeln. In der 20. Minute klappte dies auch vorzüglich. Da tauchte nach einem Steilpass auf einmal Phillip Behrens unvermittelt vor dem Werder-Tor auf, zeigte beim Eins-gegen-eins-Duell gegen SVW-Keeper Gianluca Ferrulli aber Nerven. Dafür machte er es vier Minuten später umso besser. Da luchste er Beomgu Kang den Ball ab, stieß bis zur gegnerischen Strafraumkante vor, zog einfach mal ab und traf den Ball so gut, dass dieser sehenswert im Toreck landete. Die Überraschung war zum ersten Mal zum Greifen nah und es machte schon die Runde vom vereinsinternen Duell gegen die Erstvertretung am Freitag. Aber dazu musste der Außenseiter noch eine knappe Stunde überstehen. Und als Werders Lennox Artur Strelow nach einem Freistoß per Kopf den Ausgleich erzielte (55.), mussten die Bornreiher noch einmal alles Kräfte mobilisieren, um sich ins Elfmeterschießen zu retten. Was sie denn auch taten. Dort setze Bornreihes Lucas Rathje den zweiten Elfmeter aber übers Tor, während sich alle anderen Schützen schadlos hielten. Dann schritt Werders fünfter Schütze zum Punkt – und vergab. In der “Verlängerung” war es schließlich Bornreihes Torben Naß, der das Tor verfehlte, während die übrigen Bremer Schützen allesamt nervenstark blieben. Und trotzdem: “Die Jungs sind stolz wie bolle, dass sie bei der Sportwoche mitspielen dürfen, die zweite Herren ist ja das zweite Mal überhaupt dabei. Und wir haben uns sehr gut verkauft, finde ich”, resümierte Enrico Berneking.