Autor und Foto: Tobias Dohr (Osterholzer Kreisblatt)

Für die Gäste vom SV BW Bornreihe war das 4:1 die Fortsetzung ihrer jüngsten Erfolgsgeschichte, für Gastgeber-Trainer Geils war dagegen mehr möglich. Nur der zwischenzeitliche Ausgleich habe gefehlt.

Der SV Blau-Weiß Bornreihe hat die Regenschlacht von Ritterhude gewonnen. Die „Moorteufel“ setzten sich im Osterholzer Landkreis-Derby der Fußball-Landesliga Lüneburg mit 4:1 (2:1) durch und kletterten durch diesen dritten Erfolg innerhalb von nur sieben Tagen erstmals seit vielen Monaten auf einen Nichtabstiegsplatz. Die Ritterhuder hingegen warten noch immer auf den ersten Sieg im Jahr 2018.

„Dieses Spiel musst du nicht verlieren“, ärgerte sich TuSG-Trainer Julian Geils nach 90 unterhaltsamen Minuten. Trotz der extrem schwierigen Bedingungen versuchten beide Teams immer wieder, den Ball laufen zu lassen – was allerdings oftmals schlichtweg nicht möglich war. Die TuSG um Spartenvorstand Volker Guttmann hatte die Partie angesichts des stundenlangen Dauerregens eigentlich absagen wollen, und hätte von Bornreiher Seite sicherlich kaum Protest zu erwarten gehabt. Doch Staffelleiter Jürgen Stebani hatte festgelegt, dass nur Schiedsrichter Sören Steeg diese Entscheidung treffen darf.

So reiste der Unparteiische extra aus Cuxhaven an und entschied: Es kann gespielt werden. Um 21.15 Uhr, kurz nach Abpfiff der Partie, ähnelte der Ritterhuder Jahnsportplatz allerdings nur noch einem vollgesogenen, matschigen Schwamm. Doch das war am Ende nur noch eine Randnotiz. Vielmehr wurde über den sensationellen Start der Bornreiher in dieses Derby diskutiert. Denn bereits nach vier Minuten hatte der erstaunlich freistehende Kevin Sammann die wiedererstarkten „Moorteufel“ mit einem sehenswerten Kopfballtreffer nach einer Ecke von Nils Gresens in Führung gebracht.

Als Artur Degtjarenko dann in der elften Minute mit einem unhaltbaren Volleyschuss aus fast 25 Metern auf 2:0 erhöhte, fürchtete der Ritterhuder Anhang unter den fast 400 Zuschauern schon ein Debakel. Doch die Hausherren, bei denen der Ex-Bornreiher Phil Knauth im Zentrum neben Andre Grundmann agierte, schwammen sich langsam frei. Ausgerechnet Knauth war es dann auch, der den Anschlusstreffer erzielte. Und dieser war herrlich herausgespielt. Über fünf Stationen lief der Ball direkt durch die TuSG-Reihen, ehe Marcel Meyer für Knauth ablegte und dieser aus 20 Metern volley in den Winkel traf. Teo Nekic, der diesmal den Vorzug vor Daniel Griesbach im Bornreiher Tor erhalten hatte, war chancenlos.

Spätestens jetzt war es eine komplett offene Partie. Das Team von Julian Geils spürte, dass es sich vor den so blendend aus der Winterpause gekommenen „Moorteufeln“ nicht zu verstecken braucht. Die Bornreiher wiederum schien dieser erste Gegentreffer unter Sasa Pinter ein wenig aus dem Tritt gebracht zu haben. Marcel Meyer zielte nach einem Zuckerpass von Phil Knauth knapp vorbei, auf der anderen Seite parierte TuSG-Keeper Timm Korge einen Kopfball des erneut stark spielenden Andre Waldau.

Die Viertelstunde nach der Pause gehörte dann komplett den Hausherren. Der eingewechselte Maik Tiganj und zweimal der agile Tobias Böttcher, der kurze Zeit später mit Krämpfen vom Feld musste, vergaben in aussichtsreicher Position. Das 2:2 lag nun ein wenig in der Luft – und plötzlich fiel das 3:1 für Bornreihe. Der kurz zuvor eingewechselte Hendrik Lütjen wurde von Philip Bähr überragend in Szene gesetzt und schob aus Nahdistanz überlegt ein. Es war so etwas wie die Vorentscheidung. Zwar kämpften die Hausherren weiter um jeden Ball, doch richtige Chancen erspielten sich die Ritterhuder nun nicht mehr. Im Gegensatz zu den Gästen. Andre Waldau hätte schon in der 74. Minute endgültig alles klarmachen können, legte sich das Leder bei einem Konter aber einen Tick zu weit vor, sodass Korge klären konnte. Auch gegen den erneut dominant auftretenden Artur Degtjarenko parierte die Ritterhuder Nummer eins stark. Erst in der letzten Minute war Korge dann noch mal geschlagen. Erneut war es ein Konter, den der eingewechselte Jascha Stern diesmal erfolgreich abschloss.

Schiedsrichter Sören Steeg pfiff die Partie daraufhin gar nicht mehr an. Der Bornreiher Torjubel ging somit direkt über in einen losgelösten Siegesjubel. Auch Sasa Pinter freute sich natürlich über den dritten Sieg in Folge, schränkte aber auch ein: „Ich bin eigentlich nicht so zufrieden. Wir haben das heute nicht gut gespielt. Nach dem 2:0 haben wir fast alles anders gemacht, als wir es uns eigentlich vorgenommen hatten.“ Am Ende überwog bei Pinter aber natürlich die Freude: „Die Mannschaft ist nach dem 1:2 nicht zerfallen, sondern wir haben unsere Linie am Ende wiedergefunden. Und das ist sehr, sehr positiv.“

Auf der anderen Seite stand ein komplett durchnässter Julian Geils, der nach dem triumphalen 1:0-Erfolg im Hinspiel nun eine bittere Pleite gegen seinen Ex-Klub verkraften musste. „Beim 0:1 stimmt die Zuordnung nicht, das 0:2 kannst du schlichtweg nicht verteidigen. Dann sind wir wieder dran und machen den Ausgleich nicht. Am Ende hat hier das effektivere Team gewonnen.“