Autor und Foto: Wümme Zeitung – 16. März 2019 (e-Paper)

Michael Rickers tritt beim SV Blau-Weiß Bornreihe im Sommer die Nachfolge von Saša Pinter an

Was war das für ein Fest, damals, im Frühling. Als am 28. Mai 2016 feststand, dass der SV Blau-Weiß Bornreihe die wohl beste Rückrunde der Vereinsgeschichte tatsächlich mit der Meisterschaft in der Landesliga Lüneburg gekrönt hatte, da gab es kein Halten mehr bei den „Moorteufeln“. Der Titel war auch in gewisser Weise die ultimative Bestätigung, vielleicht auch eine Art Genugtuung für den damals scheidenden Trainer.

Michael Rickers hatte bereits Anfang Februar seinen Rücktritt angeboten, der Verein hatte diesen angenommen. Niemand traute den Blau-Weißen daraufhin noch viel zu, und dann folgten: 15 Spiele mit 13 Siegen und zwei Unentschieden. Seit gestern Abend steht fest: Der Meistertrainer kehrt zurück. Michael Rickers wird die Landesliga-Mannschaft im Sommer wieder übernehmen. Und der 47-Jährige freut sich auf seine Aufgabe, weiß er doch: „Irgendwie war ich damals ja noch nicht so richtig fertig hier.“

Damals, also im Frühjahr 2016, wäre Rickers nämlich durchaus gerne Trainer der „Moorteufel“ geblieben. „Aber es gab einfach ein paar Dinge, die nicht mehr funktioniert haben“, erinnert er sich. Vor allem fehlten nach den Rückzügen von Max Klimmek und Jan Meyerdierks ein Co-Trainer und ein Teammanager. Diese Funktionen sind nun wieder besetzt. Mit dem neuen Teammanager Alexander Küstner führte Rickers alle Gespräche, Co-Trainer Frank Meyer wird ebenso im Amt bleiben wie Torwarttrainer Nils Kühtmann. „Das waren ganz wichtige Faktoren bei meiner Zusage“, sagt Rickers.

Rücktritt vom Rücktritt

Dass der Verein bei der Suche eines Nachfolgers für den im Sommer scheidenden Saša Pinter mehrgleisig gefahren ist, wusste Rickers. „Es gab relativ früh ein erstes Gespräch“, verrät der Coach, der sich daraufhin allerdings Bedenkzeit erbeten habe, denn: „Eigentlich hatte ich nach meinen Erfahrungen in Lilienthal mit dem Fußball abgeschlossen.“ Auf der anderen Seite sei eben auch im Frühjahr 2016 nicht alles rosarot gewesen, wie auch Alexander Küstner unumwunden zugibt: „Natürlich gab es da auch Reibungspunkte“, blickt der Teammanager zurück. Am Ende steht aber auch fest: „Michael ist unser Meistertrainer, und so oft sind wir in Bornreihe nicht Meister geworden. Insofern muss er ja schon ein bisschen was drauf haben.“

Dass es nun im Umfeld des Klubs und in der Fußballszene auch Stimmen geben könnte, die Rickers lediglich als Notlösung abwerten, interessiert Küstner herzlich wenig. Denn im Vorfeld habe er sich natürlich auch mit dem Mannschaftsrat zusammengesetzt: „Und da habe ich eigentlich nur Positives über Michael zu hören bekommen.“ Auch Rickers selbst wurde demnach relativ schnell von einigen seiner Ex-Spieler kontaktiert: „Trotzdem brauchte ich eine gewisse Zeit, um mir das zu überlegen.“ Am Ende stand aufgrund der deutlich verbesserten Konstellation mit dem neuen Teammanager und dem Trainerteam aber fest: „Ich identifiziere mich mit diesem Verein und möchte deshalb gerne helfen.“

Ab sofort wird Rickers nun auch in die aktive Kaderplanung mit einsteigen und gemeinsam mit Alexander Küstner zahlreiche Gespräche mit den Spielern und potenziellen Neuzugängen führen. „Einige Zusagen gibt es ja auch bereits. Da hat Alexander Küstner zum Glück eine super Vorarbeit geleistet. Ich bin deshalb sehr optimistisch, was die Kaderplanung angeht“, sagt Rickers. Nun darf nur nicht der Super-GAU, sprich der Landesliga-Abstieg, eintreten. Auch wenn es sich für die meisten im Verein nicht so anfühlt: Derzeit stehen die „Moorteufel“ lediglich einen Punkt vor dem ersten Abstiegsplatz.

„Die Bezirksliga war aber für niemanden von uns ein Thema“, sagt Alexander Küstner. „Wir vertrauen da voll und ganz auf Saša Pinter.“ Dass in der Mannschaft deutlich mehr steckt, als es der Tabellenplatz vermuten lässt, zeigte auch das erste Rückrundenspiel, in dem die Blau-Weißen beim Tabellenführer Eintracht Celle ein 1:1 ergatterten. Auch Michael Rickers macht sich diesbezüglich keine Sorgen: „Das sieht zwar derzeit etwas bedrohlich aus, aber es steckt eine unheimliche Qualität in der Truppe, Saša Pinter ist zudem ein Toptrainer. Am Ende werden sie die Liga auf jeden Fall halten.“ Obendrein kennen sich die „Moorteufel“ ja spätestens seit dem Frühjahr 2016 mit starken Rückrunden aus.

Am gestrigen Freitagabend wurde der neue (alte) Coach der Mannschaft nach dem Training auch offiziell vorgestellt. Genaues ist nicht bekannt, es würde allerdings nicht verwundern, wenn sich einige der Beteiligten relativ schnell an die guten alten (gemeinsamen) Zeiten erinnert hätten. Es gibt eindeutig schlechtere Voraussetzungen, um eine Zusammenarbeit wiederzubeleben.

Auswärtsspiel gegen Lüneburg als Frage der Mentalität

Mit einem gutenFitnesszustand wird der SV Bornreihe ins Match beim Dritten der Fußball-Landesliga Lüneburg, MTV Treubund Lüneburg, am Sonntag ab 15 Uhr gehen. „Bei den derzeitigen Bedingungen konnten wir zwar nicht an hochtaktischen Dingen arbeiten. Doch wir haben die Intensität hochgehalten, um uns zumindest die körperliche Stabilität zu bewahren“, informiert SV-Trainer Saša Pinter.

Der Kontrahent spiele bereits seit drei Jahren auf hohem Niveau in der Liga und befinde sich nach zwei Siegen zum Wiederauftakt auch bereits in einem guten Rhythmus, so Pinter. „Für uns geht es nun darum, nicht zu sehr aus dem Rhythmus zu geraten“, fügt der SV-Coach hinzu. Auch wegen der tabellarischen Situation seien die Lüneburger im Vorteil. „Es wird also kein leichter Gang für uns“, versichert Pinter. Er muss auf die verletzten Hendrik Lütjen und Michel Klimmek sowie auf den gelbgesperrten Artur Degtjarenko verzichten. Jeremy da Rocha Nunes (Rücken) und Alexander Huhn (muskuläre Probleme) sind zudem angeschlagen. Miguel Mendoza ist gerade erst aus Kanada zurückgekehrt. „Mit Schönspielerei werden wir nichts erreichen. Wir müssen wie beim Remis bei Spitzenreiter MTV Eintracht Celle über die Mentalität kommen“, fordert Pinter.