“Die Maske stört mich nicht”

SV Blau-Weiß Bornreihe

3. Juli 2020

Herr Gresens, wie sieht ihr neuer sportlicher Alltag aus, und in welchen Bereichen vermuten Sie persönlich die größten Schwierigkeiten?

Nils Gresens: Im Gegensatz zu vielen anderen Fußballern hatte ich die ganze Zeit über nicht so das Problem damit, joggen zu gehen. Mittlerweile trainieren wir aber ja auch wieder einmal pro Woche mit den entsprechenden Sicherheitsabständen. Für die technische und taktische Weiterentwicklung bringt dies jedoch gar nichts. Da geht es eher darum, die sozialen Kontakte im Team zu pflegen. Wir haben dennoch „Bock“, und Stand heute ist die befürchtete Abwanderungswelle zu anderen Sportarten auch ausgeblieben. Ich befürchte, dass bei einem echten Neustart einige nach der langen Pause möglicherweise zu übermotiviert in die Zweikämpfe gehen werden. Haben wir erst mal wieder ständig Körperkontakt, könnte leider auch der Fußball Einfluss auf die Infektionszahlen haben. Ohne Impfstoff ist die Krankheit nun mal nicht aus der Welt.

Wie sehen Sie die derzeitigen Lockerungen?

Der Lockdown war zwischenzeitlich okay, aber ich bin grundsätzlich ein Freund davon, dass nun Lockerungen nach und nach eingeführt wurden. Aus wirtschaftlicher Sicht, aber auch weil soziale Kontakte unheimlich wichtig sind. Ständige Isolation führt zu ganz anderen gefährlichen Tendenzen wie einer wahrscheinlich steigenden Selbstmordrate. Die Lockerungen sind meiner Meinung nach aktuell auch gar nicht das Problem. Dies ist vielmehr die Gesellschaft, die sich an die wenigen, maßgeblichen Vorgaben nicht hält. Sonst wären wir sicherlich schon einen Schritt weiter.

Was haben Sie während des Lockdowns am meisten vermisst, und welche Dinge aus dieser Zeit möchten Sie in Ihrem normalen Alltag gerne beibehalten?

Im Wesentlichen fehlte mir immer die „Gesicht-zu-Gesicht-Komponente“. Egal ob dies beim Sport in der Gemeinschaft gewesen wäre, beim Gespräch und Bier mit Freunden an der „Schlachte“ oder beim Besuch eines Kletterparks, einer meiner liebsten Freizeitaktivitäten. Ein Skiurlaub in Sölden fiel zudem leider aus, das wäre schließlich mitten im „Hot-Spot-Gebiet“ gewesen. Wobei ich zugeben muss, dass ich bei einem garantiert milden Krankheitsverlauf und keiner Ansteckungsgefahr für meine Mitmenschen Corona schon gerne gehabt hätte. Dann wäre jetzt vieles entspannter und ich könnte beispielsweise beruhigt meine Großeltern treffen. Da man zu Hause viel zusammenhockte, durfte ich meine Frau noch intensiver kennenlernen. Außerdem werde ich versuchen, mir ab und zu mal einen halben Tag frei zu nehmen. Normalerweise bin ich nämlich sehr eingespannt, auch weil ich Langeweile hasse.

Wie sehr schränkt Sie Corona in Ihrem Leben noch ein?

Ich bin Schulleiter einer privaten Physiotherapieschule in Delmenhorst und fühle mich beruflich nicht großartig eingeschränkt. Es ist lediglich ein anderes Arbeiten, da viel im digitalen Bereich geschieht. Darüber hinaus empfinde ich es sogar als ganz angenehm, dass die Kontakte nicht gleich wieder von null auf hundert in die Höhe schnellen. Die Maske stört mich übrigens nicht, die gehört doch irgendwie schon zum Leben dazu.

Das Gespräch führte Frank Mühlmann / Wümme Zeitung