Die magische 50

SV Blau-Weiß Bornreihe

22. März 2021
Autor: Dennis Schott; Foto: Wümme Zeitung

Fußball-Landesligist SV Bornreihe plant für Dienstag mit dem ersten Training nach dem Lockdown – wenn es geht

Am Dienstag ist es so weit. Dann bittet der SV Blau-Weiß Bornreihe zum ersten Training nach vier Monaten Lockdown. Jedenfalls ist das das Vorhaben. Ob das Training tatsächlich stattfinden kann, hängt nicht vom Fußball-Landesligisten selbst ab. Das Team des Trainerduos Nils Gresens/Frank Meyer würde die Umstände in Kauf nehmen, in Trainingsklamotten direkt aus dem Auto auf den Platz zu gehen und nach dem Training den umgekehrten Weg einzuschlagen. Kein gemeinsames Umziehen, kein Duschen, sondern pures Training. Aber dazu müsste der Inzidenzwert konstant unter 50 sein. Und im Landkreis Osterholz pendelt er in diesen Tagen genau um diesen Wert herum.

Während Kinder bis 14 Jahre bereits seit dem 8. März an frischer Luft wieder Fußball spielen dürfen, gilt ab dem 22. März der nächste auf der Bund-Länder-Konferenz beschlossene Öffnungsschritt. Der besagt, dass bei einem konstanten Inzidenzwert unter 50 Mannschaftssport unter freiem Himmel mit Kontakt erlaubt ist. Liegt er darüber, müssen alle Erwachsenen (und Kinder ab 15 Jahren) einen tagesaktuellen Schnelltest vorlegen, um trainieren zu dürfen. Der 50er-Inzidenzwert ist dabei nicht nur ein Richtmaß, ob überhaupt eine behördliche Erlaubnis gegeben ist, sondern ob der SV Blau-Weiß Bornreihe überhaupt trainieren möchte. Denn “auf so einen Quatsch mit den Tests” haben die Moorteufel keine Lust. “Bis wir die bekommen, dann müssen alle getestet werden, dann wartet man auf das Ergebnis – zu aufwendig”, winkt Coach Gresens ab. Dann lieber warten – und hoffen, dass sich die Lage insofern bessert, dass man wieder annähernd normal trainieren kann.

Vermutlich werden die Blau-Weißen noch etwas Geduld aufbringen müssen, vielleicht aber auch nicht. Nachdem der Inzidenzwert bis zum vergangenen Mittwoch die magische Grenze von 50 überschritten hatte, lag er tags darauf wieder darunter – und blieb es seither. Wie sich die Lage entwickeln wird? “Na ja, es steigt ja jetzt überall wieder”, bleibt Nils Gresens skeptisch und bringt seine Gemütslage wie folgt auf den Punkt: “Ich hatte schon mal mehr Hoffnung.”

Er sei kein Virologe oder Epidemiologe, die weitere Entwicklung sei nicht wirklich absehbar, sagt Bornreihes Coach. Aber weil dem so ist, hält er nach wie vor an der Saison fest. Nils Gresens ist natürlich nicht entgangen, dass zuerst der Hamburger Fußball-Verband und dann der schleswig-holsteinische den Spielbetrieb bereits eingestellt hat, wohl wissend, dass noch ausreichend Zeit gewesen wäre, die Saison zu einem ordentlichen Ende zu bringen. Deswegen begrüßt er es auch, dass der Niedersächsische Fußball-Verband an der Saison festhalten will (siehe beigestellten Text). “Sind die Zahlen so, dass es wieder losgehen kann, und auch die Impfung schreitet voran, glaube ich nicht, dass die Fallzahlen zum Sommer hin wieder hochschnellen werden”, meint Gresens und spricht sich in puncto Spielbetrieb für eine “Deadline” aus. “Man bestimmt einen Tag, bis wann die Saison noch zuende gespielt werden kann, danach geht es halt nicht mehr”, so der Trainer.

Noch hält der NFV an seinem Vorhaben fest, die Saison zu einem sportlichen Ende bringen zu wollen. Sollten die politischen oder behördlichen Vorgaben irgendwann zeigen, dass eine sportliche Beendigung der Saison nicht umsetzbar wäre, „dann würden wir in enger Abstimmung mit den Kreisen über mögliche Alternativen diskutieren. Aber dieser Punkt ist noch nicht erreicht. Wir haben in Niedersachsen noch Spielraum. Und den möchten wir weiterhin im Sinne unserer Vereine, im Sinne des Fußballs nutzen”, betont NFV-Präsident Günter Distelrath. Als eine Alternative für seine ausgefallene Restsaison hatte der schleswig-holsteinische Fußball-Verband sogenannte Derby-Cups ins Spiel gebracht. Für Nils Gresens wäre dies aber keine Alternative. “Wenn man so etwas erlaubt, dann kann man auch Meisterschaftsspiele stattfinden lassen”, so Gresens. Er sieht vom reinen Ablauf her keinen Unterschied. Ein Spiel bei einem Derby-Cup oder in der Meisterschaft ist eben noch: ein Spiel. Einerseits. “Und trotzdem wäre es nicht dasselbe. Ein Meisterschaftsspiel ist wesentlich reizvoller als ein Freundschaftsspiel bei einem Derby-Cup.”