Der Wadenbeißer aus Bornreihe

SV Blau-Weiß Bornreihe

31. Mai 2021
Autor: Dennis Schott; Foto: Wümme Zeitung

Spieler, Platzwart, Betreuer, Ehrenmitglied: Ohne die “Moorteufel” geht es für Milan Aleksic nicht

Milan Aleksic kann es nur vage umreißen. Wann er in den SV Blau-Weiß Bornreihe eingetreten ist? Lange her. Zu lange, um sich genau daran zu erinnern. Was Milan Aleksic allerdings weiß, ist, dass es der SV Blau-Weiß Bornreihe sein musste. Ein anderer Verein kam nicht infrage. Nicht unbedingt, weil er es so wollte, sondern weil sein Vater es so vorgab. Eigentlich wäre es nur allzu logisch gewesen, wenn der 73-Jährige beim FC Hambergen angeheuert hätte. In der Samtgemeinde ist er geboren, aufgewachsen und lebt er bis heute im elterlichen Haus. Aber nein, es mussten die „Moorteufel sein.

Dazu muss man wissen: Papa Radislav unterhielt gute Verbindungen zum damaligen Vorstand der Blau-Weißen, und da stellte sich nicht die Frage, wo der Junior Fußball spielen sollte. Natürlich beim SV Blau-Weiß Bornreihe.

Bleibt nur die Frage, wann das gewesen sein soll. „Ich weiß es nicht genau“, gibt Milan Aleksic zu, glaubt aber zu meinen, dass er „so um die zwölf Jahre alt“ gewesen sein müsste. So ganz genau könne er das eben nicht erinnern. Sei ja auch ganz schön lange her gewesen, sagt Aleksic. Dafür trat er bei vielen ins Gedächtnis, als er in den Herrenbereich wechselte. Wenn sich Jan Flathman, dem heutigen Vorsitzenden und ehemaligen Spieler der Bornreiher, an Milan Aleksic erinnert, dann ausschließlich als Herren-Spieler. „Ich bin ein Jahr jünger als Milan, aber in der Jugend haben wir nie zusammengespielt“, meint er.

Umso mehr brannte er sich aber als Herren-Spieler ins Gedächtnis ein. Der Weg dorthin war für Milan Aleksic allerdings nicht gerade einfach. Der heute 73-Jährige musste den Umweg über die Reserve-Mannschaften nehmen, ehe er in die bereits damals namhaft besetzte 1. Herren kam. „Die Großen da und ich junger Spund“, erinnert er sich. Eigentlich wurde Milan Aleksic nur hochgezogen, weil sich ein Spieler verletzte. Aber er nutzte seine Chance und brauchte sich fortan auch nicht zu verstecken, weil ihm auf dem Spielfeld eine Aufgabe zuteil wurde, die nicht jedem lag. Das hatte weniger mit fußballerischem Feingeist zu tun als vielmehr mit ehrlicher Maloche. Milan Aleksic war der Mann für die Sonderaufgaben. Wenn es darum ging, einen bestimmten Gegenspieler auszuschalten, dann tat der kompromisslose Verteidiger dies auch.

Was Berti Vogt seinerzeit in Gladbach tat, setzte Milan Aleksic in Bornreihe fort. Er verbiss sich in seine Gegenspieler, gab ihnen kaum Platz zur Entfaltung. Dass er mitunter auch „Wadenbeißer“ genannt wurde, kam also nicht von ungefähr.

Goldene Jahre mitgeprägt

Keine Frage: Der gelernte Schlachter hat viele Schlachten geschlagen. Die „goldenen 70er-Jahre“ prägte auch er mit. In der damaligen Verbandsliga Nord trat er gegen Kickers Emden an, fuhr mit der Mannschaft nach Leer oder Papenburg, und auch gegen Werder Bremen stand er sogar einmal auf dem Platz. Ehrlicher Fußball sei das noch gewesen, sagt Milan Aleksic. Kaum zu vergleichen mit dem Fußball von heute. „Früher wurde mehr gekämpft“, meint er. Heute wollten die Mannschaften den Stil wie in der Bundesliga spielen. „Klappt aber nicht immer“, findet er.

Und trotzdem: So ganz loslassen vom Fußball und „seinem“ SV Blau-Weiß Bornreihe konnte Milan Aleksic nie. Das Ehrenmitglied hat den Kontakt auch nach seiner aktiven Laufbahn, die er mit 34 Jahren beendete, nie verloren, auch wenn er sich zwischendurch ein paar Auszeiten gönnte. Nicht als Zuschauer, denn bei Heimspielen war er eigentlich immer da.

Aber nachdem er für ungefähr drei Jahre den Posten des Platzwartes übernommen hatte, folgte nach einer kleinen Pause bereits der nächste Job: und zwar der des Betreuers. Seit knapp drei Jahren arbeitet Milan Aleksic nun gemeinsam mit Werner Filz den Trainern Nils Gresens und Frank Meyer sowie der Mannschaft zu. „Es macht Spaß mit den Jungs zu arbeiten“, sagt er. Das halte ihn fit und jung, fügt er hinzu. So lange es geht, macht er weiter. Ohne „seinen“ SV Blau-Weiß Bornreihe geht es für den Hamberger eben nicht.