Autor: Tobias Dohr (Osterholzer Kreisblatt)

Sie jubelten und sangen. Sie hüpften und tanzten. Sie ließen sich mit Standing Ovations von ihren Fans feiern. Immer und immer wieder. Und dann schrien sie es heraus:

„Derbysieger, Derbysieger“ hallte es durch das Teufelsmoor. So laut, wie man es wohl seit Jahren nicht gehört hat auf der Anlage des SV Blau-Weiß Bornreihe. Schon gar nicht von einer Gästemannschaft.

Dieses 1:0 der TuSG Ritterhude im Osterholzer Derby der Fußball-Landesliga Lüneburg durfte durchaus als historisch bezeichnet werden. Erstmals seit März 1988 hatte es das Duell Bornreihe gegen Ritterhude im Punktspielbetrieb gegeben. Und dann setzte sich erstmals seit 2009 wieder ein Landkreisteam bei den „Moorteufeln“ durch. Vor knapp acht Jahren hatte der VSK Osterholz-Scharmbeck im November mit 5:1 im Teufelsmoor letztmalig triumphiert.

Die Kreisstädter waren damals noch die fußballerische Nummer eins im Landkreis – spätestens seit vergangenem Freitag darf sich die TuSG Ritterhude mit diesem Prädikat schmücken. Sicherlich: Nach sieben Spieltagen ist das noch immer nicht mehr als eine frühe Momentaufnahme. Doch seit Freitagabend hat das Team von Trainer Julian Geils nun schon acht Punkte Vorsprung vor den Bornreihern – und die Art und Weise, wie dieses Derby gelaufen war, ließ nicht darauf schließen, dass die „Moorteufel“ den derzeit völlig entfesselten Aufsteiger in drei Wochen schon wieder eingefangen haben.

Frühe Bornreihe-Chance

„Wir haben nicht wirklich einen Plan gehabt“, brachte Bornreihe-Coach Andre Lütjen die Bemühungen seines Teams auf den Punkt. Die Hausherren hatten von der ersten Minute an zwar deutlich mehr Ballbesitz gehabt und in der sechsten Minute auch die erste Großchance, als Patrick Müller und Hendrik Lütjen eine Hereingabe von Jascha Stern verpassten. Doch danach fiel dem Oberliga-Absteiger gegen unheimlich kompakt stehende Ritterhuder nicht viel ein. Erst recht nicht, nachdem die Gäste nach einem schönen Spielzug über Niklas Kutz und Marco Grahl durch Torjäger Marcel Meyer in der achten Minute mit 1:0 in Führung gegangen waren. Nun konnte die Geils-Elf endgültig all ihre Stärken in die Waagschale werfen.

Der erneut starke TuSG-Torwart Timm Korge parierte gegen Lütjen (20.) und später gegen Müller (25.) – viel mehr nennenswerte Torchancen erspielten sich die „Moorteufel“ nicht. Es sagt viel aus, dass die letzte größere Chance der Bornreiher aus der 62. Minute datierte. „Es wurde in der zweiten Halbzeit eigentlich immer schlechter“, urteilte Lütjen über das planlose Anrennen seines Teams. Auch eine 20-minütige Spielunterbrechung nach einem Ausfall der Flutlichtmasten spielte den Gastgebern nicht in die Karten.

Stattdessen hatten die Ritterhuder in Person von Marcel Meyer in der zweiten Minute der Nachspielzeit die größte Chance der zweiten Hälfte, doch der Goalgetter verzog freistehend aus Nahdistanz. Erst vier Minuten später war endgültig Schluss. Besonders für den langjährigen Ex-Bornreiher Julian Geils, der beim 1:5 im November 2009 übrigens selbst noch als Bornreiher Spieler auf dem Feld stand, war dieser Derbysieg ein Höhepunkt seiner noch jungen Laufbahn. Entsprechend euphorisch war der Ritterhuder Coach nach diesem von vielen nicht für möglich gehaltenen Triumph. Geils hatte schon vor dem Spiel für Überraschungen gesorgt und seinen Flügelflitzer Tobias Böttcher zunächst unten gelassen und den erst 20-jährigen Niklas Tröger zum ersten Mal von Beginn an gebracht. Doch momentan scheint es fast egal zu sein, welche Maßnahmen Geils ergreift – am Ende klappt alles.

„Wir hatten deutlich weniger Ballbesitz als Bornreihe, aber das war ja so zu erwarten“, versuchte sich Geils hinterher in einer Analyse. „Die Jungs haben gefightet bis zum Ende und sich diesen Sieg absolut verdient.“ Egal, mit wem man an diesem Abend sprach: dieses Urteil teilten am Ende fast alle. Auch Andre Lütjen: „Ritterhude hat verdient gewonnen. Aber dass wir dieses Spiel verloren haben, lag nicht nur an Ritterhude. Und das ist das Erschreckende.“