Bornreihe zeigt sein schönstes Gesicht

SV Blau-Weiß Bornreihe

20. September 2021
Autor: Thorin Mentrup; Foto: Wümme Zeitung

Bissig, gallig, spielstark: Begeisternde “Moorteufel” schlagen Landesliga-Spitzenreiter Harsefeld

Einige Spieler auf der Bank sangen mit und die rund 250 Zuschauer sowieso: „Jetzt ist der Teufel los, bei uns geht’s richtig ab!“ Selten dürfte die Torhymne des SV Blau-Weiß Bornreihe so gut gepasst haben wie am Sonnabendabend. Das 4:1 (1:1) im Landesliga-Topspiel gegen den bis dato ungeschlagenen Spitzenreiter TuS Harsefeld sorgte im Lager der „Moorteufel“ für Ekstase. Als der Sieg nach Bjarne Schnakenbergs Tor endgültig feststand, da waren die letzten Minuten der Partie die perfekte Überleitung zur Party danach. Die Zuschauer feierten jeden Ballkontakt ihres Teams, von der Bierbude schallte „Einer geht noch, einer geht noch rein“ über das Feld. Bornreihe war nach dem besten Saisonspiel außer Rand und Band.

Noch in seiner Ansprache im Kreis hatte Nils Gresens, der die Blau-Weißen gemeinsam mit Frank Meyer trainiert, seinen Spielern den Feierbefehl erteilt. Und während die Sause ein paar Meter weiter bereits anlief, sagte er lächelnd: „Die Jungs sollen sich belohnen.“ Rundum zufrieden war der Trainer. Er und Meyer hatten das gesehen, „von dem wir von Anfang an gesagt haben, dass es in der Mannschaft steckt“ – und das über die gesamte Spielzeit. „Endlich“, fand Gresens. Was dieses schönste Bornreiher Gesicht auszeichnet, beschrieb der 32-Jährige danach genauer: „Wir waren bissiger, williger, galliger als der Gegner. Und wir haben guten Fußball gespielt.“

Bornreihe presste hoch, lief den TuS tief in dessen Hälfte an. „Harsefeld ist gar nicht zurechtgekommen“, fand Gresens. Das sah Julian Geils, der in Schwanewede lebende Gäste-Trainer, genauso. „Es war null unser Spiel. Es hatte keiner Normalform außer Mauritz.“ Mauritz Fethke hütete das Harsefelder Tor. Dass er der beste Mann beim TuS war, sagte einiges aus über die Kräfteverhältnisse. Und während Geils die Versäumnisse seiner Elf deutlich machte („Wir wussten genau, was passiert, aber wir waren in jeder Situation zu weit weg vom Gegner“), sprach Gresens viel lieber darüber, was seine Mannschaft richtig gemacht hatte. Sie habe den Plan sehr gut umgesetzt, in den richtigen Momenten gepresst oder etwas Luft geholt. Die Balance stimmte. Und vor allem: Bornreihe war willensstark. „Deshalb haben wir uns vom Rückstand nicht aus der Ruhe bringen lassen“, sagte Gresens.

Dieses Gegentor war ein Beleg der individuellen Qualität beim TuS, traf der Ex-Ritterhuder Marcel Meyer doch per Direktabnahme nach einer Flanke von Pascal Schawaller (24.). Dass die Gäste das Geschehen danach nicht beruhigen konnten, war ein Beleg für den ganz starken Auftritt der Gastgeber. „Eigentlich muss es vor dem Gegentor schon 1:0 für uns stehen“, sagte Justin Dähnenkamp und spielte damit auf seine vergebene Chance an, als er an Fethke gescheitert war (17.). Bereits nach wenigen Augenblicken hatte er den Ball im Tor untergebracht, war aber zurückgepfiffen worden. „Für mich war das kein Foul. Ich stelle nur den Körper rein, benutze meine Hände nicht“, konnte der Angreifer die Entscheidung des Unparteiischen nicht nachvollziehen.

Aber er steckte diesen Rückschlag ebenso gut weg wie das gesamte Team das 0:1. „Wir hatten Harsefeld im Griff. Und mit dem 1:1 kurz vor der Pause war ich mir sicher, dass wir gewinnen“, sagte Dähnenkamp. Dieses 1:1 war ein tolles Tor von Jascha Stern, dessen Distanzschuss von der Unterkante der Latte hinter die Linie sprang (45.). Viel Qualität spielte eben nicht nur aufseiten der Gäste, sondern auch in Blau und Weiß. Der nächste Beleg dafür folgte kurz nach der Pause, als Dähnenkamp einen tollen Angriff zur Führung abschloss (49.).

Das Tor war ein Wirkungstreffer. Harsefeld wankte. Es war aber auch ein Befreiungsschlag. Bornreihe spielte nun wie aus einem Guss, kam zu Chancen, verpasste zunächst aber den dritten Treffer. Den markierte der eingewechselte Hendrik Lütjen, der eine Dähnenkamp-Hereingabe von der linken Seite auf den zweiten Pfosten veredelte. Ähnlich war die Harsefelder Führung gefallen, nun bedeutete dieser Treffer die endgültige Entscheidung (74.). Und als der kurz zuvor ins Spiel gekommene Bjarne Schnakenberg den vierten Treffer nachlegte (87.), war es wirklich wie in der Torhymne besungen: In Bornreihe war der Teufel los.