„Belfi“ beißt auch gegen Rehden

SV Blau-Weiß Bornreihe

23. April 2021
Autor: Karsten Hollmann; Foto: Wümme Zeitung

„Spiel meines Lebens“: Wie Jens Jacobs und sein SV Blau-Weiß Bornreihe den Niedersachsenligisten ausbremsen

Stolze 18 Jahre währte die Fußballer-Laufbahn von Jens Jacobs im Herrenbereich. Wenn er auf diese Zeit blickt, denkt der heute 45-Jährige besonders an den 2:0-Finalsieg seines SV Blau-Weiß Bornreihe im Presse-Supercup der Bremer Tageszeitungen AG vom 1. August 2004 über den damaligen Niedersachsen- und heutigen Regionalligisten BSV Schwarz-Weiß Rehden zurück.

Erst zwei Tage zuvor hatten sich die „Moorteufel“ dank eines 1:0-Sieges über den SV Lilienthal-Falkenberg für das Finale in Uphusen qualifiziert. „Die Lilienthaler hatten damals bereits den KSV Vatan Sport und den VSK Osterholz-Scharmbeck aus dem Wettbewerb geworfen und galten deshalb als Favoritenkiller“, sagt Jacobs. Im Halbfinale gegen sein Team hätte der Außenseiter in der Defensive ordentlich Beton angerührt. Dennoch erzielte Hamza Polat das goldene Tor zum Finaleinzug. Polat war dann auch zwei Tage später wieder für den Angriff gefragt, weil die Blau-Weißen mit dem erkrankten Torsten Plewa und Torsten Welk (Urlaub) beide etatmäßigen Stürmer ersetzen mussten. Den Platz neben Polat in vorderster Front nahm Sascha Jütting ein. Der Youngster war ein paar Wochen zuvor noch für den ASV Ihlpohl in der Kreisliga Osterholz aufgelaufen.

Wirklich Zeit zur Regeneration blieb den Bornreihern zwischen dem Halbfinale am Freitagabend und dem Endspiel am Sonntagvormittag nicht. „Deshalb haben wir am Sonnabend auch nichts gemacht“, sagt Jacobs. Am Tag darauf begaben sich die Blau-Weißen zusammen mit 200 Anhängern nach Uphusen. „Das ganze Dorf war unterwegs“, verdeutlicht Jacobs. Er selbst hatte keine Probleme mit dem frühen Aufstehen. „Ich bin sowieso ein Morgenmensch und kann auch am Vormittag bereits gute Leistungen bringen“, versichert der kaufmännische Angestellte. Die größte Herausforderung habe darin bestanden, zwei Spiele innerhalb so kurzer Zeit zu absolvieren. „Da wir uns mitten in der Vorbereitung auf die neue Saison befanden, waren wir ohnehin kräftemäßig schon sehr belastet“, sagt der Verteidiger, der „Belfi“ gerufen wird. „Ich glaube, den Spitznamen hat mir in der Jugend mal mein Teamkollege Marcel Baake verpasst, weil es bei mir in der Straße so viele Hunde gab“, verrät er. Er habe aber nicht damit gerechnet, dass sich der Name bis heute halten würde. „Bei manchen ist aber auch schon mal Bifi daraus geworden“, lacht der Hamberger.

Bornreihe dreht den Spieß um

Als Landesligist gingen die „Moorteufel“ gegen die eine Klasse höher angesiedelten Rehdener als Außenseiter in die Partie. „Dadurch konnten wir den Spieß gegenüber dem Halbfinale umdrehen und selbst mit Mann und Maus verteidigen“, erklärt Jacobs. Aus einer sicheren Abwehr heraus wollten die Bornreiher Nadelstiche setzen. „Wir wollten erst einmal die Null halten und selbst mit Kontern zum Erfolg kommen“, verrät Jacobs die von Trainer Carsten Huning ausgegebene Marschroute. Auch weil die Blau-Weißen die vorangegangene Serie in der Landesliga-Spitzengruppe abgeschlossen hatten, fühlten sie sich nicht chancenlos. „Außerdem macht es immer Spaß, einen klassenhöheren Gegner zu ärgern“, fügt Jacobs hinzu. Die Belohnung mit dem Spiel gegen Werder Bremen für den Finalsieger habe eine zusätzliche Motivation dargestellt. „Außerdem war die Sehnsucht in Bornreihe nach dem Gewinn des Supercups groß, weil der letzte und bis dato einzige Triumph in diesem Wettbewerb bereits zwölf Jahre zurücklag“, betont Jacobs.

Trotz der kräfteraubenden Begegnung mit Lilienthal-Falkenberg verzichtete Huning in seiner Startelf auf personelle Veränderungen. Deshalb erhielt Nils Küthmann zwischen den Pfosten erneut den Vorzug vor Stammkeeper Florian Leschnik. „Nils hatte die Eigenschaft, in solchen Spielen über sich hinauszuwachsen. Er konnte sich besonders für derartige Partien motivieren“, sagt Jacobs, der mit Heiko Monsees als Innenverteidiger agierte. „Wir haben uns blind miteinander verstanden“, lobt er seinen Partner. Im Laufe der Jahre sei er auf dem Platz immer weiter nach hinten gerutscht. „Nur im Tor habe ich nicht gespielt. Da hatten wir aber ja auch immer Florian Leschnik.“

Flanke Schmidt, Tor Lütjen

Die Kontertaktik des Underdogs ging schnell auf. Bereits nach sechs Minuten verlängerte André Lüjen eine Hereingabe von Gunnar Schmidt zum 1:0 in die Maschen. „Wir wollten mit Flanken über die Außen in den Rücken der Rehdener Abwehr kommen“, verrät Jacobs den Offensivplan. Das frühe 1:0 habe seiner Mannschaft in die Karten gespielt. „Dadurch konnten wir uns noch mehr auf unsere Defensive konzentrieren“, erklärt der 45-Jährige. Die Sommerhitze verlangte den 22 Akteuren auf dem Platz so einiges ab. „Gerade in der Mittagszeit war es unheimlich heiß“, erinnert sich Jacobs. Trinkpausen, wie sie heute gang und gäbe sind, waren seinerzeit noch unbekannt.

In der Halbzeitpause appellierte Trainer Carsten Huning an die Moral seiner Schützlinge. Sie sollten trotz der Hitze durchhalten. Doch der Favorit drängte in den zweiten 45 Minuten mächtig auf den Ausgleich, Jacobs war mit der Manndeckung eines BSV-Angreifers reichlich beschäftigt. „Man hat bei Rehdens Stürmern schon gemerkt, dass sie eine Klasse höher spielen. Wir haben uns aufgeopfert und mussten immer wieder Löcher stopfen, um so wenige Chancen wie möglich zuzulassen“, sagt der Familienvater. Alles, was doch auf das Bornreiher Gehäuse kam, habe Küthmann stark abgewehrt. „Nils hat uns den Rücken freigehalten und zwei, drei Mal super gehalten.“

In der 76. Minute funktionierte dasselbe Zusammenspiel wie bei der Führung noch einmal: Lütjen köpfte eine Schmidt-Flanke zum erlösenden 2:0 für Bornreihe ins Netz. „Da habe ich mir schon gedacht, dass es für uns zum Sieg reichen müsste“, sagt Jacobs. Sechs Minuten später erlöste Huning seinen Abwehrrecken und tauschte ihn gegen Marcel Konoppa aus, mit dem Jacobs heute ebenso wie mit Christian Hasloop im Altherrenteam des FC Hambergen aufläuft. „Ich war total fertig und hatte zum Schluss auch mit Krämpfen zu tun“, sagt der Abwehrmann. Er war bis an die Schmerzgrenze gegangen.

Als in der 84. Minute Rehdens Kapitän Stefan Bernholt wegen einer Notbremse mit der Roten Karte den Rasen verlassen musste, habe er sich bereits innerlich auf die Siegesfeier eingestellt, schildert Jacobs seine Vorfreude. Bis zum Schlusspfiff blieb es beim 2:0. Der Rest war nur noch feiern, zunächst auf dem Platz und dann im damals neuen Vereinsheim. „Wenn ich mich richtig erinnere, hatte ich mir den Montag nach dem Match auf der Arbeit nicht freigenommen. Das habe ich dann aber kurzfristig nachgeholt“, verrät Jacobs. Die Feier habe bis in die frühen Morgenstunden angedauert.

„Ich mochte Pokalspiele immer sehr gerne, weil es nur Top oder Flop gibt“, sagt Jacobs. „Besonders cool fand ich, dass wir durch den Sieg über Rehden wieder gegen Werder Bremen antreten durften.“ Es sei selbst für ihn als Anhänger des Hamburger SV eine große Ehre gewesen, gegen den Erstligisten zu spielen. Die Grün-Weißen, damals amtierender Deutscher Meister, waren erst kurz zuvor zu Gast im Teufelsmoor gewesen. Jacobs lief insgesamt sogar vier Mal gegen Werder auf, zweimal mit Bornreihe und jeweils einmal mit dem 1. FC Osterholz-Scharmbeck und dem FC Hambergen. „Das waren immer besonders schöne Spiele“, sagt er.