Auf den Kopf gestellt

SV Blau-Weiß Bornreihe

2. Dezember 2019
Autor und Foto: Dennis Schott

Der SV Bornreihe sieht gegen den FC Verden 04 lange wie der sichere Verlierer aus, kommt aber noch zum 3:3

Geht da noch etwas? Eigentlich war der Fußball-Landesligist SV Blau-Weiß Bornreihe mausetot und hätte gegen den FC Verden 04 bereits mit 1:4 (vermutlich entscheidend) in Rückstand liegen können, wenn Verdens Jonas Austermann im Eins-gegen-Eins nicht an Bornreihes Keeper Ole Pasbrig gescheitert wäre. So aber bekamen die gastgebenden Bornreiher fünf Minuten vor dem Abpfiff einen ihrer vielen Freistöße zugesprochen, den Nils Gresens sehenswert aus 20 Metern über die Mauer hinweg ins Verdener Gehäuse zirkelte. Auf einmal witterten die Hausherren Morgenluft – und erzielten in der zweiten Minute der Nachspielzeit durch Ennio Cordes tatsächlich noch den Treffer zum 3:3 (1:1)-Endstand.

Freude auf Bornreiher Seite, totaler Frust beim FC Verden 04. Dessen Trainer Frank Neubarth war nach der Partie alles andere als gut auf Schiedsrichter Jan-Ole Schlützer zu sprechen. Seiner Meinung nach entschied der Unparteiische bei seinen Freistößen in der Mehrzahl zugunsten der Bornreiher. “Das sind Standardsituationen, wo jeder Freistoß für die gepfiffen wird”, fing der ehemalige Bundesliga-Profi nach Spielende zunächst noch ruhig an zu erzählen, ehe es aus ihm herausbrach und er in Richtung des Schiedsrichters brüllend mit einem “Da habe ich jetzt auch keine Lust mehr, ganz ehrlich” von dannen stapfte.

Neubarths Gefühlsausbruch war aber auch verständlich. Sein Team hatte einen sicher geglaubten Sieg leichtfertig aus der Hand gegeben. Leichtfertig nicht nur wegen der vergebenen Großchance von Austermann, sondern auch deshalb, weil die Verdener in der eigenen Defensive kaum gefordert wurden. Aus dem Spiel heraus versprühten die Hausherren vor allem im zweiten Abschnitt kaum Gefahr. Der eingewechselte Philip Bähr besaß noch zwei aussichtsreiche Schussmöglichkeiten, verzog aber recht deutlich (61., 65.). Die beste Möglichkeit verzeichnete noch Tom Meierdirks, der das Leder zwar an FC-Keeper Stefan Wöhlke vorbeispitzelte, aber vor der Linie geklärt wurde (73.).

Gäste zielstrebiger

Weitaus gefälliger agierten die Gäste aus Verden, und die besaßen in Maximilian Schulwitz, Jonas Austermann und Thomas Celik ein Trio, das die Bornreiher fast allein beschäftigte und aussichtsreiche Möglichkeiten auf dem Fuß hatte. Zunächst zeigten sich die Gäste aber äußerst effektiv, als sie direkt nach dem Wiederanpfiff durch Schulwitz mit 2:1 in Führung gingen (53.). Das Tor resultierte aus einem blitzsauberen Konter, in dem die Verdener ihr Überzahlspiel gekonnt ausnutzten. Hinzu kam, dass die Bornreiher im Anschluss kräftig Schützenhilfe leisteten. Das 3:1 von Maximilian Schulwitz resultierte nämlich aus einem kapitalen Missverständnis zwischen Keeper Ole Pasbrig und Abwehrchef Steffen Dietrich. Der Verdener sprintete dazwischen und brauchte nur noch ins leere Tor einzuschieben (61.).

Überhaupt hätte Maximilian Schulwitz zum Matchwinner für die Gäste avancieren können. Denn auch das erste Tor ging auf das Konto des gefährlichen Stürmers, der nach einer flachen Hereingabe seinen Fuß hinhielt und zum zwischenzeitlichen 1:1 traf (32.). Schulwitz hatte bereits fünf Minuten zuvor die Arme zum Torjubel hochgehoben, sein Kopfball nach einer Ecke wurde aber noch kurz vor der Linie geklärt. Mit dieser Möglichkeit kamen die Gäste jedoch besser ins Spiel, während die Bornreiher bis zu diesem Zeitpunkt nur über die Außen annähernd Gefahr versprühten. Die Hereingaben verfehlten ihre Adressaten in der Mitte teilweise deutlich oder landeten sogar teils im Toraus. Es war demnach nicht weiter verwunderlich, dass die Hausherren nach einer Einzelaktion in Führung gingen: Michel Klimmek behauptete sich kurz vor dem Strafraum, nahm sich ein Herz und traf unhaltbar ins lange Eck zur Führung (14.).

Am Ende jedoch mussten die Hausherren jedoch froh sein, ein Unentschieden herausgeholt zu haben. Bornreihes Spielertrainer Nils Gresens hob hinterher die Moral seiner Mannschaft hoch. “Wir haben heute bestimmt nicht unser bestes Spiel abgeliefert. Was auf dem Boden nicht leicht war, außerdem verlief die Trainingswoche nicht optimal, aber wir haben gekämpft”, meinte Gresens zum unverhofften Punktgewinn, während die Verdener teils konsterniert auf dem Platz standen und es nicht fassen konnten, wie sie dieses Spiel noch aus den Händen geben konnten.