Als die Matthäus-Unterschrift verschwand …

SV Blau-Weiß Bornreihe

15. April 2021
Autor: Tobias Dohr; Foto: Wümme Zeitung

Viele legendäre Schlachten wurden auf dem Platz bei Postels geschlagen. Entscheidende Punktspiele um Auf- oder Abstieg, aber auch packende Pokalduelle. Ebenso sagenumwoben sind jedoch auch die zahlreichen Freundschaftsspiele von Profiteams, die im Laufe der Jahrzehnte ihre Visitenkarte im Teufelsmoor abgegeben haben. So war beispielsweise der SV Werder Bremen gleich viermal in Bornreihe zu Gast (1969, 1970, 2004 und 2005). Unvergessen die Auftritte der Meistermannschaft mit Regisseur Johann Micoud und Knipser Ailton vor mehr als 4000 Zuschauern.

Doch auch der FC St. Pauli (2007 zum 75. Vereinsjubiläum), Rot-Weiß Essen (2004 zur Einweihung des neuen Vereinsheims) oder Dukla Prag (1970er-Jahre) spielten schon bei den Blau-Weißen vor. Mit Ismaelia Kairo gab es 1969 sogar mal einen Afrikameister im Teufelsmoor zu bestaunen. Eine besondere Anekdote rankt sich zudem um das Gastspiel des VfB Oldenburg Anfang der 1990er-Jahre, der zu dieser Zeit ans Tor zur Bundesliga klopfte und dessen Manager, ein gewisser Rudi Assauer, feuchtfröhliche Stunden im Bornreiher Vereinsheim verbrachte.

Die wohl kurioseste Anekdote rund um die vielen großen Namen stammt aber aus dem Jahr 1982, als Borussia Mönchengladbach zu Gast war. Trainer Jupp Heynckes wechselte Superstar Lothar Matthäus damals zur Halbzeit aus. Dieser stellte sich, durstig und hungrig wie er war, bei Ralf Brase und dessen Bruder Georg an die Wurstbude und bestellte Pommes und Wurst. Ralf Brase, selbst ein riesiger Gladbach-Fan, fragte nach einem Autogramm, und da Matthäus nichts fand, worauf er unterschreiben konnte, schnappte er sich einen Edding und verzierte die Wursttheke kurzerhand mit einem riesigen Namenszug. „Das war natürlich eine Wahnsinnsgeschichte. Wir haben diese Unterschrift jahrelang in Ehren gehalten“, berichtet Ralf Brase, der seit 40 Jahren bei fast jedem Heimspiel an der Wurstbude steht und zudem 2. Vorsitzender des Vereins ist.

Sogar eine Plexiglasscheibe habe man bei den Spielen aufgestellt, um das Heiligtum zu schützen. Doch dann geschah das Unfassbare. „Wir haben den Wagen zwischendurch auch mal verliehen. Das war zwar eher ungewöhnlich, aber es kam vor. Und nach einer dieser Ausleihen war die Unterschrift plötzlich weg“, erinnert sich Ralf Brase. Eine Reinigungskraft hatte die Theke besonders gründlich gewischt und offenbar keine Ahnung gehabt, was beziehungsweise wer dort etwas hingekritzelt hatte. Und so verschwand die Matthäus-Unterschrift wieder von der Theke. „Wir hätten vermutlich die Tresenplatte einfach abschrauben und im Vereinsheim an die Wand hängen sollen“, sagt Brase heute schmunzelnd.

Bei jenem Gladbach-Gastspiel im Jahr 1982 entstand übrigens noch eine weitere legendäre Geschichte, die man sich bis heute gerne im Teufelsmoor erzählt. Als nämlich Nationalstürmer Frank Mill Zigarette rauchend in der Bornreiher Umkleidekabine Zuflucht suchte, damit Heynckes ihn nicht erwischt. Im Jahr 2022 feiert der SV Blau-Weiß sein 90-jähriges Vereinsjubiläum und Spartenvorstand Dennis Böschen kündigte bereits an: „Auch da werden wir uns nicht lumpen lassen und ein Schmankerl bieten.”