Abstieg? Ja, bitte!

SV Blau-Weiß Bornreihe

18. Oktober 2019
Autor: Tobias Dohr

Der SV Blau-Weiß Bornreihe in der Bezirksliga? Ja, und? Es gibt Schlimmeres. In diesem speziellen Fall könnte es sogar die einzige Möglichkeit sein, endlich einen echten Neuaufbau voranzutreiben, der in der Landesliga niemals möglich wäre. Schließlich versuchen die „Moorteufel“ seit Jahren, junge und talentierte Spieler aus dem Landkreis in die Mannschaft einzubinden. Oftmals sind diese mit der Landesliga aber schlichtweg überfordert.

In der Bezirksliga würden diese Spieler eine andere Bühne vorfinden, könnten sich dort viel besser und mit weniger Druck entwickeln beziehungsweise entwickelt werden. In spätestens anderthalb Jahren kommt zudem die aktuelle U18 des Vereins in den Herrenbereich. Zum ersten Mal seit vielen Jahren haben die Bornreiher eine A-Jugend-Mannschaft auf Bezirksebene, es muss das uneingeschränkte Ziel sein, möglichst viele dieser Jungs im Verein zu halten. Das würde sicherlich als Bezirksligist besser funktionieren.

Außerdem wäre es sicher auch für die treuen Zuschauer im Teufelsmoor mal ganz schön, andere Gegner zu begrüßen. Stichwort Derbys. Natürlich ist es rein sportlich ein Quantensprung zwischen Bezirks- und Landesliga, aber wollen die Bornreiher Fans wirklich immer wieder Heimspiele gegen Gellersen, Emmendorf oder Drochtersen/Assel II sehen? Dann doch lieber mal wieder einen „Osterholzer Classico“ gegen den VSK Osterholz-Scharmbeck. Oder ein Duell gegen den FC Hambergen. Ach, eigentlich wäre jedes Landkreisduell ein riesengroßes Highlight, besonders für die gastgebenden Vereine.

Es ist an der Zeit, dass sich der „Kultklub“ SV Bornreihe nicht mehr nur noch darüber definiert, möglichst der höchstspielende Verein des Landkreises zu sein. Die Besonderheit dieses Vereins ist gleichzeitig auch sein großer Nachteil. Denn der Standort irgendwo im Nirgendwo macht diesen Klub auf der einen Seite so einzigartig, auf der anderen Seite ist der Wettbewerbsnachteil in Sachen Jugend einfach nicht wegzudiskutieren. Deshalb müssen sich die „Moorteufel“ mehr denn je um die Jugend kümmern. Und dabei wäre ein Abstieg gar nicht mal so hinderlich, denn frei werdende Gelder könnten in die Jugendarbeit investiert werden. Altgediente Spieler wie Steffen Dietrich, Torben Poppe, Nils Gresens und Philip Bähr sollten beim Aufbau von Jugendteams unbedingt mit eingebunden werden – denn Spieler mit genau jener blau-weißen DNA brauchen die Bornreiher dringend auch in den kommenden Generationen.

Und dass ein Kultverein auch in einer unteren Liga funktioniert, dafür gibt es Beispiele genug. Das kann man auf etwas anderem Niveau beispielsweise bei 1860 München sehen oder beim 1. FC Kaiserslautern. Ein Kultverein definiert sich nicht über die Liga, sondern über die gemeinsamen Werte und die Liebe zum Klub. In diesem Sinne: Keine Angst vor dem Abstieg, ihr Moorteufel!