Autor: Tobias Dohr (Osterholzer Kreisblatt)

Die Krise in Bornreihe hat nach vier Niederlagen am Stück mit 1:13 Toren besorgniserregende Ausmaße angenommen. Vor dem Heimspiel gegen den TSV Ottersberg äußerst sich nun der Klub-Vorsitzende.

Herr Rehberg, vier Niederlagen in Folge mit 1:13 Toren. Haben Sie einen solchen Bornreiher Negativlauf in der Landesliga schon mal erlebt?

Michael Rehberg: Nein, in der Landesliga kann ich mich an so etwas nicht erinnern. Zu Niedersachsenliga-Zeiten oder letzte Saison in der Oberliga schon. Aber in der Landesliga hat es so etwas glaube ich noch nicht gegeben. Und das ist natürlich auch nicht unser Anspruch.

Beschreiben Sie mal die derzeitige Stimmung im Umfeld, im Vorstand, bei den Fans.

Im Vorstand sind wir ganz ruhig, reden sehr viel miteinander, arbeiten sehr viel. Wir wollen keine Panik vorleben. Es ist erst ein Viertel der Saison gespielt. Aber wir haben der Mannschaft auch ganz deutlich gesagt, dass sie jetzt in der Pflicht steht. Dass wir jetzt endlich von den Spielern was sehen wollen. Und wir meinen damit ausdrücklich die Spieler und nicht die beiden Trainer. Mit Bernd Böschen und Andre Lütjen sind wir wirklich sehr zufrieden.

Wie sind sonst so die Rückmeldungen, die Sie bekommen?

Die Bornreiher Fans und Anhänger sind natürlich sehr besorgt und unruhig, auch kritisch. Das ist auch verständlich. Ich war dieses Jahr beispielsweise nur zwei Stunden auf dem Osterholzer Herbstmarkt, bin sogar selbst mit dem Auto gefahren. In diesen zwei Stunden wurde ich dann bestimmt zehn oder zwölfmal angesprochen. Immer wieder kam dieselbe Frage: Hey, was ist da los bei euch?

Das Trainerduo hatte bereits nach dem enttäuschenden Spiel gegen Ritterhude das Thema Rücktritt von alleine auf den Tisch gebracht. Jetzt sind noch zwei weitere Niederlagen hinzugekommen. Die fußballinteressierte Mehrheit im Landkreis hatte vermutlich spätestens in dieser Woche mit Konsequenzen gerechnet.

Ja, vielleicht. Aber ganz ehrlich: Wir sehen derzeit auch keine Lösung, die uns wirklich hilft. Wenn wir etwas unternehmen würden, dann müssten wir uns auch wirklich verbessern, wirklich davon überzeugt sein. Andre und Benno arbeiten total akribisch, die zwei haben definitiv nur das Wohl vom SV Blau-Weiß Bornreihe im Sinn. Wir sehen niemanden, der das derzeit besser machen könnte. Aber am Dienstag und Donnerstag haben sie wieder nur mit elf beziehungsweise zwölf Spielern trainieren können. Sie machen dann trotzdem ein super Training. Aber mit zwölf Mann kannst du natürlich nicht so arbeiten, wie es sein müsste – erst recht nicht in der derzeitigen Situation.

Das heißt, auch bei einer Niederlage gegen Ottersberg wird es bezüglich der Trainer ruhig bleiben in Bornreihe?

Wir werden Ruhe bewahren, definitiv. Noch mal: Wenn es eine andere Lösung gibt, muss die wirklich Sinn machen. Wir werden definitiv keinen Schnellschuss machen. Aber viel wichtiger ist ohnehin etwas anderes: Die Mannschaft ist jetzt dran. Die Mannschaft muss jetzt liefern. Das meine ich komplett ernst.

Haben Sie das Gefühl, dass die Mannschaft die Landesliga in diesem Jahr unterschätzt hat? Mit der Oberliga-Erfahrung im Rücken?

Ja, das glaube ich. Auch da sage ich ganz offen und ehrlich: Da sind einige zu satt. Vor allem auch einige der früheren Leistungsträger. Wir haben vor zwei Jahren eine tolle Meistersaison gespielt, haben dann am Ende der vergangenen Spielzeit auch in der Oberliga noch ein paar Mal gepunktet. Da haben einige wohl gedacht: Das läuft jetzt in der Landesliga von alleine. Aber auch da muss man richtig arbeiten für den Erfolg. Man muss die jüngsten Niederlagen aber auch differenziert betrachten. Zuletzt gegen Ahlerstedt haben sechs absolute Leistungsträger gefehlt . . .

. . . die aber im Derby gegen Ritterhude alle mit dabei waren . . .

Das stimmt. Von dem Ritterhude-Spiel bin ich auch extremst enttäuscht. Da hatte ich privaten Besuch, habe mir mit diesem Besuch das Spiel angeschaut. Schön auf einem Freitagabend, hinterher wollten wir noch ein Bierchen trinken. Ich habe dann mit Mühe ein Alster runtergewürgt, bin nach Hause gefahren und habe bis fünf Uhr morgens wach gelegen. Ich kann das immer noch nicht verstehen. Ein Derby auf einem Freitagabend, Flutlicht und 400 Zuschauer, und dann laufen unsere Spieler so müde über den Platz. Aber in Meckelfeld am Wochenende darauf war es ganz anders.

Und zwar?

Da hatte Patrick Müller vier hundertprozentige Chancen und trifft das Tor nicht. Da haben die Jungs sich wirklich engagiert und Mühe gegeben. Gegen Ahlerstedt war es dann eine extreme Personallage. Und man kann von unseren jungen Spielern noch nicht erwarten, dass sie den Bock umschmeißen. Wir haben auch mit Patrick Müller und Jascha Stern intensiv geredet. Die beiden sind total ehrgeizig und ärgern sich selber am meisten über die momentane Lage.

Wenn es gegen Ottersberg wieder eine Niederlage geben sollte, wird Bornreihe vermutlich bis Weihnachten unten drin bleiben.

Es ist bei uns momentan wie bei Werder. Wir müssen einfach siegen, egal wie. Es leiden derzeit alle. Aber wir behalten die Ruhe. Wir reden miteinander, wir reden vor allem vernünftig miteinander. Wir sind ehrlich zueinander. Das ist ganz wichtig in solch einer Phase. Die guten Zeiten haben hier immer richtig Spaß gemacht. Jetzt macht es gerade nicht ganz so viel Spaß. Aber wir arbeiten akribisch daran, dass es wieder besser wird. Und irgendwann wird das auch passieren. Ich will schließlich endlich mal wieder besser und vor allen Dingen mehr schlafen in der Nacht von Sonntag auf Montag.

Das Gespräch führte Tobias Dohr.

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